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Mweya bis Kampala
03. - 16.01.2010

Nach all diesen Highlights wird es für den restlichen Weg nach Kampala schwer, mit den Erlebnissen der letzten Wochen mitzuhalten. Hier eine Kollektion von Erlebnissen, die uns ein Lächeln aufs Gesicht zauberten:

  • Wir betreten einen Supermarkt in indischer Hand. Fünf erwachsene Männer unterschiedlichen Alters indischer Herkunft singen SEHR laut zu herzergreifender Bollywoodfilmmusik mit. Ich grinse Tobi zu.
  • Es ist heiß, es ist hügelig, es ist staubig. Da kommt uns ein Fahrrad-Eisverkäufer entgegen, begleitet von Dudelmusik: Lambada in extrem schiefen Tönen. Tobi grinst mir zu. Nachher stellt er Überlegungen an, wer so etwas „komponiert“. „Der muss ein absolut falsches Gehör haben, gibt es so etwas?“
  • Aufgeregte Kinderchöre sind wir gewöhnt. In einem Ort singen alle Kinder im Chor und recht melodisch: „How - are - you - mzungu, Africa - mzungu!“ Wir grinsen einander zu. Das müssen sie in der Schule gelernt haben.

Kurz nach unserem Aufbruch vom Queen Elizabeth National Park überqueren wir den Äquator - genauer gesagt, zuerst das entsprechende Monument und später dann den echten. Der liegt auf einer sehr geschäftigen Kreuzung, da wäre wohl kein Platz für ein Denkmal gewesen. Nordhalbkugel, hihowareyou? Wir werden dich jetzt erst einmal nicht mehr verlassen.

Unsere Strecke ist vor allem: hügelig. „Wenn Ruanda das Land der 1000 Hügel ist, muss Uganda das Land der Millionen Hügel sein!“ sagt Tobi. Und wirklich, die Steigungen sind immer nur sehr kurz, aber es ist nie eben, es geht immer entweder rauf oder runter. Besonders bei den 75 Kilometern von Fort Portal nach Kasese verschätzen wir uns ordentlich und kommen gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit an, weil wir zu spät aufgebrochen sind.

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Äquator, yeah, GPS-Beweis, Riesenwikingerhornkühe

Gleichzeitig fühlen wir uns recht fit und schaffen an einem Tag trotz des vielen Aufs und Abs über 100 Kilometer. Unsere Unterkünfte sind - bis auf den netten Couchsurfing-Aufenthalt in Fort Portal - einfach, und das gleiche gilt auch fürs Essen. Man isst gerne Bohnen, dazu entweder Ugali, dass sie hier Posho nennen, und Matooke, gematschte Kochbananen. Ein Grunddefizit der hiesigen Küche ist (nach unserer bescheidenen Meinung), dass sie Gewürze sparsam bis gar nicht verwendet. Während in Pakistan jeder Dhal ein bisschen anders schmeckte, scheint hier jeder Bananenmatsch gleich. Zumindest macht er jedenfalls sehr satt, und das ist ja auch ein wichtiges Kriterium für Radfahrer. Etwas, das uns (außer den Indern und Chapatti) an Pakistan erinnert, ist Mountain Dew, eine Art Sprite mit Koffein. Tobi ist mittlerweile schon so „drauf“, dass er ohne mindestens einen halben Liter pro Tag nur einen Bruchteil der Leistungsfähigkeit zeigt.

Strom und Wasser sind immer große Themen. Schon seit langem sind wir Stromausfälle gewohnt und führen abends zur Sicherheit unsere Stirnlampen mit. Und Wasser, nun ja - „echte“ Sitztoiletten sind ja gut und schön, ohne Wasserversorgung aber äußerst disfunktional, da wünschen wir uns oft ein Plumpsklo herbei. Eine solche ich-wär-so-gern-modern-Toilette ohne Spülung taufen wir am späteren Morgen „Wursttheke“, nachdem diverse Gäste dort ihren Anteil hinterlegt haben.

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Marabu-Storch, glibberiges Raupending, Tobi mit Spielplan

Wir radeln also vor uns hin und denken, dass eigentlich der alltägliche Straßenverkehr gefährlicher ist als Elefanten: auf unserem eigenen Seitenstreifen müssen wir mehrfach vor Fahrzeugen ausweichen, die auf der gegenüberliegenden Fahrbahn überholen, einmal bleibt Tobi nur der Graben. Aber wir überleben auch das. Als Radfahrer besitzt man hier einfach keine Rechte, wer größer ist, dem gehört die Straße.

Andere, einheimische Radfahrer treffen wir natürlich viele, einige schwerer beladen als wir. Als wir in einem kleinen Hotel in Mubende unsere Ketten wechseln, werden wir von einem jungen Mann angesprochen - er gehört zur „Uganda Cycling Association“. Später in Kampala sehen wir Denis zufällig auf der Straße wieder, und er hilft uns mit einigen Ersatzteilen. Die Jungs sind natürlich so echte Rennradfahrer mit Klickpedalen, Helmen und vollem Radlerdress, die ein wenig enttäuscht sind, dass wir keine Rennen fahren. Alle Ausrüstungsgegenstände müssen sie sich mühsam, meist second hand, besorgen, und natürlich sind die Kosten oft enorm hoch. Für den Mai planen sie die erste „Tour de Uganda“ über 1000 km und 10 Tage. Falls jemand von Euch Möglichkeiten und Lust hat, die Herren zu unterstützen (weibliche Mitglieder haben sie meines Wissens nicht), wendet Euch doch an uns, wir vermitteln gerne den Kontakt.

Unsere Einfahrt nach Kampala gestaltet sich langsam. Der Stau ist teilweise so dicht, dass noch nicht einmal wir durch kommen, und er besteht vor allen Dingen aus Minibussen, hier Matatu oder auch Taxi genannt. Die Straßen sind gesäumt von Werbung - zur einen Hälfte für westliche Produkte und zur anderen für HIV/Aids-Aufklärung. Uganda konnte wohl in den letzten Jahren seine Infektionszahlen deutlich reduzieren und ist eines der wenigen Länder, in denen Behandlung mit ARV (Antiretrovirale Medikamente) kostenfrei verfügbar ist (zumindest in der Theorie, wir trafen auch Leute, die bezweifeln, dass dies in der Praxis funktioniert), während man in Südafrika eher auf Rote Beete vertraut.

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Kleiner Snack für zwischendurch, Riesenvögel im Anflug, Stadtverkehr

Kampala ist mal wieder eine richtige Metropole - mit vielen Unternehmen und mindestens genauso vielen NGOs. Hier ruft uns niemand mehr „Mzungu!“ zu, es sei denn, wir sind mit dem Fahrrad unterwegs, ansonsten sind wir zwei unter vielen. Wir wohnen bei Fiona und Steffen, einem englisch-niederländischen Paar, beide arbeiten als Lehrer an einer internationalen Schule, und beide sind sehr nett. So können wir in aller Ruhe unser ghanaisches Visum und den Flug organisieren, und eine Waschmaschine besitzen sie großartigerweise auch.

Uns freut, dass gerade der „Africa Cup of Nations“ in Angola beginnt. Unglücklicherweise wird vor Tunierbeginn der Bus des togoischen Teams überfallen, der gerade durch die Exklave Cabinda unterwegs ist (eine ölreiche Region, die gerne unabhängig wäre). Assistenztrainer und Pressesprecher werden getötet, der Torwart schwer und verschiedene andere Spieler leichter verletzt. Togo zieht sich aus dem Turnier zurück. Aus Ostafrika nimmt keine einzige Landschaft teil, aber unsere zukünftigen Reiseländer Ghana, Benin, Burkina Faso und Mali sind vertreten. Wir schauen Spiele in einer schummrigen Kneipe. Momente der Überraschung werden hier übrigens mit einem sehr hohen „Ah!“ angezeigt, das kennen wir schon von der Straße, wenn wir von unserer Reise berichten, und treffen es hier genauso bei einer plötzlichen Torchance.

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Sonnenfinsternis

Vor unserem ersten Botschaftsbesuch haben wir uns extra die Namen von zwei in Deutschland spielenden Ghanaern gemerkt, müssen aber die Bürodame letztlich gar nicht so sehr bezirzen. Alles läuft glatt, und schon zwei Tage später haben wir unser Visum in der Tasche. Der Flug ist gebucht, unsere letzte ugandische Etappe steht zum Flughafen von Entebbe an. Eine ringförmige Sonnenfinsternis bekommen wir noch zu Gesicht, und nachdem uns Afrika vor allem zu Beginn einige Nerven gekostet hat, haben wir uns vor allem in den letzten Wochen sehr wohl gefühlt. Wir hoffen, dass unser ostafrikanisches Lebensgefühl mit Westafrika kompatibel ist und sind aufgeregt vor unserem - hoffentlich - letzten Flug.
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