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Kabale bis Mweya
27.12.2009 - 03.01.2010

Wir stehen in Kabale vorm Supermarkt. Diese Bezeichnung mag irre führen, aber es ist ein etwas größerer Laden, er gehört Indern, und es steht „Supermarket“ dran. Also ein Supermarkt. Wir haben unser Hotel verlassen, ohne zu wissen, welche Route wir wählen sollen. Tobi hat komplizierte Berechnungen erstellt, wie viele Kilometer und Tage wir jeweils brauchen. Auf der längeren Strecke würden wir eventuell Gorillas sehen. Und so etwas wie Regenwald. Und die Straße wäre wesentlich schlechter. Die andere Strecke: kürzer. Keine Gorillas. Bessere Straße.

Wir treten von einem Bein aufs andere. Das Bananenmädchen verkauft uns Bananen. Der Besitzer der Lodge am Lake Bunyoni fährt mit seinem Jeep vor. Wir berichten ihm von unserem Dilemma. Er sagt: „Ach, wenn Ihr nicht sicher seid, solltet Ihr doch vielleicht besser nicht fahren.“ Dabei hat er uns diesen Floh ins Ohr gesetzt: „Wenn Ihr drei Tage auf diesem Campingplatz bleibt,“ hat er uns eingeflüstert, „dann garantiere ich Euch, dass Ihr dort Gorillas seht. Ohne Permit!“ Damit nicht genug. Nina, Tom und Markus haben an ebendiesem Ort WIRKLICH Gorillas gesehen. Oh Mann. Tobi ist angefixt. Nach dem Gespräch mit dem Lodge-Mann sage ich: „Och, dann lassen wir es doch lieber.“ Und Tobi sagt: „Hast du die Gorillas auf seinem Jeep gesehen?“ Die sind drauf gesprayt. Schließlich: Schnickschnackschnuck. Die Gorillas gewinnen.

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Chamäleon auf der Straße, im Gras, Tobi im Wald

Also fahren wir los, und wirklich ist die Straße nicht gut. Hügelig außerdem, wie gewohnt. Immerhin fahren wir an einem Chamäleon vorbei. Das ist ein außergewöhnlich schönes Tier mit zweizehigen Füßen, dass sich wie ein Roboter in Zeitlupe bewegt. Auf der roten Lehmstraße kann es sich offensichtlich nicht ganz so gut tarnen, und so kommen wir in den Genuss seines Anblicks.

Der Bwindi Impenetrable National Park, wo die Berggorillas leben, ist fast so undurchdringlich wie sein Name behauptet. Grün ist die vorherrschende Farbe, und es gibt ein surrend-zirpendes Urwaldshintergrundgeräusch. Ab und zu springt eine Affenbande über die Straße, die mehr ein Schotterweg ist, und so haben wir in unseren Pausen viel zu gucken. Ein schöner Weg, aber wesentlich anstrengender als eine „normale“ Straße, täglich legen wir nur etwa 50 km zurück und sind damit bedient genug.

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Daniela ist fertig, Weißbartstummelaffe (what a name!), unser Swimmingpool

Um so aufgeregter sind wir, als wir im vermeintlichen Gorilla-Camp ankommen. Werden die massiven Tiere unsere Anstrengungen zu würdigen wissen? Auf dem Weg schon ist uns ein deutscher Jeepoverlander entgegen gekommen, er war zwei Tage dort, aber kein Gorilla weit und breit. Nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit also…

Die Wahrscheinlichkeit betrügt uns. Die Gorillas wollen ihren Jahreswechsel offensichtlich ohne uns verbringen - sie tauchen nicht auf. Drei Nächte verbringen wir auf dem Campingplatz. Es ist nicht wirklich aufregend dort, so ohne Gorillas. Zudem hatten wir gerade erst Ruhetage mit viel Lesen und Spielen, nun also Wartetage. Ab und zu geht einer von uns zur Lichtung herunter, um keine Gorillas zu sehen. Gähn. Och Mann.

Silvester verbringen wir unspektakulär schlafend. Und fahren weiter, ohne Gorillas gesehen zu haben. In Richtung Queen Elizabeth National Park, wo wir dann hoffentlich andere Tiere sehen. Von Kihihi (ein fast so toller Ortsname wie „Bububu“ auf Sansibar!) aus entscheiden wir uns, ein Auto bis kurz vor Katunguru zu nehmen. In Kabale hatten wir ein bisschen herum telefoniert, und ein aufgeregter Mann sagte uns: „Nein! Da können Sie nicht mit dem Fahrrad fahren! Da sind sehr viele Löwen!“ Also trauen wir uns nicht so recht.

Letztlich sehen wir gar nicht mal so viele Tiere. Keine Löwen. Mist. Ein paar Elefanten, immerhin, ein bisschen Kleinvieh (Topi, Kob und Ellipsenwasserbock), einige Affen. Unser Fahrer ist nett und hält immer an, wenn wir Fotos machen möchten. Wir denken uns, dass wir wohl auch hätten radeln können, Einheimische sind natürlich mit dem Rad unterwegs, und die 90 steigungslosen Kilometer hätten wir in einem Tag schaffen können.

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Topi (nicht zu verwechseln mit Tobi), Kob, Ellipsenwasserbock

Von Katunguru aus machen wir uns auf nach Kichwamba. Der Ort liegt an der Abbruchkante des Rift Valley, und dort gibt es eine Lodge mit einem wie eine Aussichtsplattform gelegenen Swimmingpool. Zwar kann man dort eigentlich nicht mehr zelten (wie es der Reiseführer verspricht, erschienen Sommer 2009), aber da wir ja nun schon mal da sind und uns den ganzen Weg bergauf gequält haben (so sehr gequält nun auch nicht, aber das müssen wir ja nicht dem Rezeptionisten sagen), macht man für uns eine Ausnahme. Und wir genießen eine 5-Sterne-Aussicht.

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Kyambura Gorge, The voice of the Lord, Mweya

Zum Rift-Valley hier ein kurzer Exkurs von Dipl.-Geograph T. Klein:

Der Grosse Afrikanische Grabenbruch (engl. Rift Valley) ist in den letzten 35 Millionen Jahren durch die Spaltung der Arabischen von der Afrikanischen Platte entstanden und läuft über 6000 km von Syrien bis nach Mosambik. Das Tal ist zwischen 30 und 100 km breit und kann an einigen Stellen mehr als 1000 Meter tief sein. In Ostafrika teilt sich der Graben kurz in einen westlichen und östlichen Teil. Entlang des westlichen Grabens findet man unter anderem die Virunga-Vulkane und das Ruwenzori-Gebirge, entlang des östlichen Grabens den Kilimandscharo und das Mount-Kenya-Massiv. Bekannte Teile des Grabenbruchs sind der Jordan, das Tote Meer (mit dem Ufer 422 m unter dem Meeresspiegel und bis zu 380 m tief!), das Rote Meer, der Albert-See, der Kiwusee (450 m tief), der Tanganjikasee (1470 m tief!) und der Malawisee (704 m tief). In den nächsten Millionen Jahren wird sich der Grabenbruch weiter verbreitern und vermutlich das östliche Afrika vom Rest des Kontinents abspalten.


Ein Grund also, Ostafrika schnell zu besuchen, so lange es noch mit dem Rest des Kontinents verbunden ist. Wir genießen die Aussicht auf die Stelle, wo es einmal abbrechen wird. Dabei begegnen wir einer netten britischen Familie aus Kigali, deren Tochter in der Klasse unseres dortigen Gastgebers Nicolas geht - klein ist die Mzungu-Welt.

Am nächsten Tag fahren wir auf die Halbinsel Mweya, hier müssen wir zum ersten Mal Parkeintritt bezahlen. Wir fragen bei der Parkwächterin nach, ob man wohl mit dem Rad fahren kann. „Hm“, sagt sie. Wir: „Die Löwen?“ Sie lacht: „Die Löwen, quatsch. Die schlafen jetzt, zur Mittagszeit. Viel zu faul.“ Sie denkt nach. „Aber wir hatten mehrere Elefantengruppen mit jungen Elefanten. Das kann gefährlich werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Dann können sie Euch verfolgen.“ Von einem Elefanten verfolgt zu werden ist nicht gerade das, was wir wollen. Im Hintergrund läuft gerade eine Gruppe der Dickhäuter vorbei. Wir sind unsicher. Ein Auto fährt vor, ein Pavian taucht auf. Er bekommt von den Autoinsassen Mango zugeworfen, die er sehr fotogen verspeist. Eigentlich ist es hier am Parkeingang ja auch schon nett. „Was ist jetzt, wollt Ihr rein oder nicht?“ fragt die Frau. Unsere Entscheidungsschwäche sollte inzwischen bekannt sein. Ich möchte. Tobi ist unsicher. Kein Schnickschnackschnuck dieses Mal. Wir fahren.

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Pavianmittagessen, Elefantenkacke

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Elefanten!, noch ein Ellipsenwasserbock

Die Löwen scheinen wirklich alle fernab der Straße zu schlafen, wir bekommen keinen einzigen zu Gesicht. Häufig und immer in Gruppen sehen wir Warzenschweine. Das sind knuffige Tiere mit nicht sehr kämpferisch aussehenden Kampfzähnen. Sie traben beschwingt weg, wenn sie uns sehen, wobei ihre ulkigen große-Scheitel-Frisuren vom Winde verweht werden. Dazu die schon vorher gesehenen Huftiere. Schöne Ohren haben die Ellipsenwasserböcke übrigens, ein Grund sie mindestens so gerne zu mögen wie Esel.

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Röhr!, Warzenschwein, Passbild

Und dann: Das Großtier. Der Elefant. Vom Fahrrad aus gesehen: noch größer. Tobi und ich teilen uns die Straßenseiten auf, jeder hält Ausschau. Und dann sind sie wirklich da. Eine Gruppe von fünf oder sechs Tieren mit Jungtieren, und sie fressen Blätter von Bäumen. Direkt an der Straße.

Wir warten. Was sollen wir tun? Die Gruppe scheint sich an ihrem Standort wohl zu fühlen. Elefanten sind nicht gerade Tiere, die eine große Hektik ausstrahlen. So stehen sie und fressen. Wir stehen und überlegen. Und sind aufgeregt.
Ein Auto überholt uns und hält dann doch an. Wir fahren hin. „Ihr wisst, dass das sehr gefährlich ist?“ sagt der Fahrer. „Ja,“ sagen wir, „können wir neben Euch herfahren?“ So machen wir es, und kein Elefant verfolgt uns. Gut.

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Warzenschweine, Tobi mit Elefant, Daniela mit Warzenschwein

Das ganze wiederholt sich noch drei Mal. Jedes Mal halten wir an und warten auf das nächste Auto. Jedes Mal sind wir ein bisschen nervös, und gleichzeitig freuen wir uns. Es ist einfach schön, so ein Tier in seinem natürlichen Lebensumfeld zu sehen, ohne einen Zaun davor. Meine Meinung gegenüber Safari-Touristen in Tansania war ja recht negativ aufgrund der Auswirkungen, die diese Form des Tourismus für uns mitbrachte. Den Reiz von Safaris kann ich jetzt wesentlich besser verstehen: gucken und staunen und sich freuen, was es für schöne Tiere gibt.

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Schöner gelber Vogel (Bestimmung fehlgeschlagen), unsere kleinen warzigen Freunde

Und wir sind wirklich ganz nah dran, ohne Auto um uns herum. Wir schlagen unser Zelt auf einem Campingplatz auf, der im wesentlichen einfach eine freie Fläche mit Toilette ist. Unsere kleinen Freunde, die Warzenschweine, tänzeln tollpatschig und in sicherer Entfernung um uns herum. Die Elefanten sind ja nun mal größer als wir, sie brauchen keinen Sicherheitsabstand. Eine Gruppe und zwei Single-Elefantenbullen marschieren an uns in nächster Nähe vorbei. Ein Bulle, nur fünf Meter entfernt, schaut zu uns und unserem Zelt herüber, dabei schwenkt er seinen ganzen massiven Kopf in unsere Richtung und macht Schnaufgeräusche. Ich votiere leicht hektisch dafür, ins Zelt zu verschwinden, das Tier läuft an uns vorbei. Für unsere Schutzsuche in einem fragilen, noch nicht einmal ein Meter hohen Zelt müssen wir uns nachher vom Ranger auslachen lassen - der sich das ganze aus sicherer Entfernung aus einem Unterstand heraus angeguckt hat.

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Aus dem Weg, ich komme, am Ausgang

Ach ja, schön ist es hier. Die Bootstour, die wir machen wollten, fällt leider wegen zu wenigen Teilnehmern aus. Wo wir schon keine echten Gorillas gesehen haben, kauft sich Tobi ein T-Shirt, auf dem ein Gorilla als Che Guevara verkleidet ist, ich bin ein bisschen böse, weil ich nicht als erstes auf die Idee kam. Zumindest aus der Ferne konnten wir auch Büffel und Flusspferde sehen. Gut gelaunt machen wir uns auf den Rückweg, auf dem wir noch einmal Elefanten begegnen, bevor wir wieder im weitgehend großtierfreien, „normalen“ Uganda ankommen.
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