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Ho bis Sokodé
28.01. - 04.02.2010

Ein Swimmingpool. Kühles Wasser. Ich springe hinein, es platscht und spritzt und ich gehe unter. Oh, wie schön. Ich tauche auf, jemand reicht mir ein Getränk, eiskalt. Die Sonne brennt, doch im Wasser ist es angenehm. Palmen rauschen im Wind, da kommt auch schon Tobi angelaufen und


Wie, der Artikel hat schon angefangen? Entschuldigung, war wohl gerade im Tagtraum.

Ihr ahnt es, die Temperaturen: heiß. (Oder, wie Peter Licht sagen würde: „Die Sonne, die gelbe Sau.“) Ich weiß, niemand hat uns gezwungen, nach Afrika gefahren. Und Ihr, habt Ihr Euch inzwischen aus dem Schneechaos befreit, ordentlich geschippt, die Winterreifen aufgezogen oder sogar die Schneeketten? Wenn wir in den letzten Monaten etwas aus Europa gehört bzw. eher gesehen haben, dann ging es meistens um das Wetter. Die Afrikaner, die mit uns vor den Fernsehern saßen, kamen aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus.

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Gott ist überall!

Wir also, auf nach Norden, der Sahara entgegen. Die ist zwar noch sehr weit entfernt, wie die Karte zeigt, aber schon spürbar: Der Harmattan bläst aus Norden, und er bringt den Wüstensand in Staubform mit sich. Das heißt: schlechte Sicht, manchmal Gegenwind, aber ab und zu sind wir einfach froh über jegliche Luftzirkulation.

In Ho haben wir wirklich ein Hotel mit Swimmingpool, man gönnt sich ja sonst nix - für 15 Euro im Doppelzimmer, inklusive Frühstück. Hier geben wir eine kostenfreie Schwimmstunde für drei junge Ghanaerinnen. Selbst mit Schwimmreifen trauen sie sich erst nicht ins etwas tiefere Wasser, insofern konnten wir durchaus erste Erfolge erzielen. Die ghanaische Nationalmannschaft zieht ins Finale des African Cup of Nations ein, und alle freuen sich (Bilder dazu gab‘s schon im letzten Artikel), wobei die Autokorso in Deutschland imposanter sind (Da GIBT es aber auch einfach mehr Autos. Und in Ghana leben einfach zu wenige Türken. Außerdem wird hier eh ständig gehupt, so dass der Unterschied alltäglicher Straßenverkehr/Autokorso in dieser Beziehung marginal ist).

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Auf dem Weg nach Togo

Wir brechen auf, Richtung Togo. Lassen neben Ho auch Hohoe (Sitz des ghanaischen Weihnachtsmann, zum togoischen später mehr) hinter uns und bewegen uns zur kleinen Grenzstation nahe Badou auf der togoischen Seite. Hier erlebe ich die

Große Enttäuschung I: Tobi findet auch nicht immer den Weg.

Wir fahren am Abzweig zur Grenze elegant vorbei und freuen uns, weil die Straße plötzlich wieder asphaltiert ist. Das rollt, Kilometer für Kilometer! Leider in die falsche Richtung, wie Tobi irgendwann anzeigt. Letztlich wird‘s dunkel, und die Grenzer auf ghanaischer Seite lassen uns bereitwillig unser Zelt am Zollgebäude aufstellen. Das gibt immerhin drei Schichten von Ihnen die Möglichkeit, unsere Pässe anzuschauen. „Wart Ihr in all diesen Ländern mit dem Rad?“ „Ja.“ „Was ist das für ein Land?“ „Tadschikistan.“ Etc. pp. Gewöhnlich sind wir zur Aussage übergegangen, wir seien in Accra los gefahren, was ja auch stimmt und ohnehin genug Erstaunen hervorruft. Hier sind sowieso wesentlich weniger Leute per Rad unterwegs als in Ostafrika, vielleicht wegen der Hitze oder wegen geringeren Zahlen importierter indischer Fahrräder? Jedenfalls sagen Menschen schon bei relativ geringen Distanzen, das sei ja völlig unmöglich und wir würden niemals ankommen und sollten doch direkt am Ort bleiben.

Wir verlassen Ghana. Können die Beamten überzeugen, dass unser schon vorhandener Stempel auf dem Visum ein Einreisestempel ist: „Ihr seid doch schon mal ausgereist!“ Es kommen wohl nicht allzu viele Ausländer hier vorbei.

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Allah, Gott, Tod und Krankheit auf ghanaisch

Togo! Wir betreten das französischsprachige Imperium. Dies bedeutet leider für Tobi die

Große Enttäuschung II: Daniela kann kaum besser französisch als Tobi.

Was ist nur aus unseren primären Zuständigkeiten geworden! Alles geht den Bach runter. Kurz nach dem Überqueren der Grenze stößt Tobi zwar noch empört aus: „Mist, jetzt bin ich ja wieder total von dir abhängig!“, aber nachdem er mich ein paar Mal französisch sprechen gehört hat, erledigt sich diese Angst wie von selbst. Im Unterschied zu anderen Sprachen, die ich schlecht spreche, ist es ja leider in französischsprachigen Gesellschaften so, dass die Menschen erwarten, dass man sich einwandfrei verständigen kann. Diese Dankbarkeit: „Wow! Da kann jemand mit mir reden! Wenn auch nur ein paar Worte! Der mach ich doch direkt mal ein Kompliment!“, das ist französischsprachigen Menschen glaube ich völlig fremd, hier lautet der Gedankengang eher: „Oh mon dieu! Dieses unkultivierte Etwas spricht die beste Sprache der Welt abgrundtief schlecht. Es ist eine Schande. Wie ist so etwas möglich, hat sie etwa keinerlei Schulbildung? Lesen, schreiben, rechnen, alles nicht gelernt?“

Die Unterschiede der langen Kolonialherrschaften Ghanas und Togos zeigen sich recht deutlich. Etwa hat das Weißbrot keine Kastenform mehr, sondern man deklariert es als Baguette, und der Fernseher zeigt keinen einzigen englischsprachigen Sender, aber immer „TV 5“ (Satellitenschüsseln: Riesig. Weiterhin). Man trinkt eine Art „Café au lait“ zum Frühstück, Tee spielt nur noch die zweite Geige. Und statt der allgegenwärtigen „Blue Band“ Margarine gibt es manchmal tatsächlich echte Butter.

Im Gegensatz zu Togo wirkt Ghana im Nachhinein recht wohlhabend. Hier ist die Infrastruktur ist schlechter, wie sich für uns besonders am kalte-Getränke-Index zeigt, die größeren Orte wirken oft trostlos (in unseren Augen). Auf dem Land werden an den Straßen die immer selben Produkte verkauft: Yams (ein schmutzigweißes Wurzelgemüse), Holzkohle in großen weißen Säcken und gebündeltes Brennholz. Farblich ein trauriges Schauspiel. Viel Wald wird hier abgefackelt, wie in Ghana auch, irgendwo brennt es immer, und oft ist der Boden durch eine schwarze Ascheschicht bedeckt.

Nahe Badou baden wir unterhalb eines schönen Wasserfalls im erfrischenden Wasser. Wir sehen das Finale des Afrika Cups, Ägypten gewinnt zum dritten Mal hintereinander, und wir sind ein bisschen traurig für die Ghanaer. Über eine schöne Hochebene gelangen wir nach Atakpamé und drehen nach Norden ab. Oft ist es unerträglich heiß, und mancher Tag mag gar nicht enden. Zum Beispiel, als wir nach über 100 Kilometern in Blitta auf der Suche nach einer Unterkunft sind und die beiden einzigen „Hotels“ voll sind. Wir können das kaum glauben, da uns praktisch mit Passieren des Ortseingangsschildes Depressionen befallen: Heruntergekommene Gebäude, staubige Straßen, einige protzig-moderne Häuser mit dicken Mauern, die wie gestrandete Ufo aussehen. Irgendwie kann die freundliche Bardame dann doch noch ein Zimmer auftreiben, außerdem Zwiebeln und Tomaten, sodass wir kochen können.

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Cascades d'Aklao

Überhaupt, sie machen uns das Leben leicht, die Togoer - für uns sind sie bisher die freundlichsten Afrikaner, die wir getroffen haben. Sie grüßen nett, sie versuchen sich mit uns zu unterhalten, sie sind hilfsbereit. In einem Buch über alte westafrikanische Mythen haben wir eine Geschichte gefunden, die uns außerdem einiges erklärt:

Anders als in Europa und Nordamerika, wo das Bild des Weihnachtsmannes von christlichen und kapitalistischen Einflüssen geprägt ist, herrscht im Togo eine gänzlich andere Vorstellung. Wie so oft verbinden sich traditioneller Volksglauben und durch den Kolonialismus importiertes Christentum zu einer eigenständigen kulturellen Saga. Im Gegensatz zu unseren Breiten wird die Ankunft des „YAWOO“ (sprich ähnlich „Yahoo“, entspricht unserem Weihnachtsmann) täglich erwartet - die Vorstellung, dass eine derart wichtige Person sich an Termine halten könnte, ist schier unverständlich im hiesigen Kontext. Der YAWOO taucht in Form zweier menschlicher Wesen weißer Hautfarbe auf, die sich auf jeweils zwei Rädern fortbewegen. Er ist leicht zu erkennen durch seine bis zum Bersten gefüllten orange-farbenen Taschen. Der YAWOO wird schnörkellos begrüßt mit „YAWOO, CADEAU!“ (dt. Weihnachtsmann, Geschenk!), da er dazu tendiert, seine Pflichten zu vergessen.

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HIV/Aids-Aufklärung mit Hilfe von Uniformträgern und Truckern

Andere Länder, andere Sitten! So gehört eben eine gute Vorbereitung zu jeder erfolgreichen Radreise, wie uns schon lange bewusst ist. In Sokodé fragen wir darum auch zur Sicherheit nach, was los ist, nachdem uns den ganzen Tag über eine endlosen SUV-Polonaise überholt hat. So viele dicke Autos in einem so armen Land? „Der Präsident ist am Samstag hier, noch ist er in Kara!“ sagt der freundliche Hotelangestellte. Oh, Kara, da wollen wir am nächsten Tag hin. „Nein, das ist sicher kein Problem, eine Unterkunft zu finden.“ Sind nicht bald Wahlen? Meine unschuldig gemeinte Frage ruft leichte Irritationen über den geplanten Wahltermin hervor, der aber offensichtlich in naher Zukunft statt finden soll (später finden wir heraus: Ende Februar noch). Togo, das ist eine präsidentielle „Demokratie“, wie wir lernen, in der der Sohn im Jahr 2005 von seinem Vater übernommen hat (gute demokratische Sitte), nach dessen Tod und über 40-jähriger Alleinherrschaft. Nachher fand dann auch eine Wahl statt, und nur ein paar Leute konnten leider nicht antreten, weil sie im Exil lebten und zur Bedingung gemacht wurde, man müsse die letzten 12 Monaten im Land verbracht haben… Soviel dazu. 2005 gab es große Unruhen mit vielen Toten, und Togo ist unser erstes afrikanisches Reiseland, aus dem ich in Deutschland lebende Flüchtlinge kenne. Man redet nicht gerne über Politik, steht im Reiseführer, und das Gefühl haben wir auch.

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Wegweiser, das berühmte deutsche Bier "Eku", Fußball

* Keine besonders originelle Überschrift, aber irgendwie unvermeidlich.
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