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Arusha bis Singida
23.11. - 08.12.2009

Was fällt mehr auf als zwei Rad fahrende Wazungu in Tansania? Vier Rad fahrende Wazungu! Und auch wenn Tobi und ich nicht direkt zur Gattung der Trauerklöße zählen, muss ich sagen: selten so viel gelacht wie in den letzten zehn Tagen. Es war schön mit Micha und Tine!

Zunächst müssen wir den beiden für ihre heroischen Anreiseanstrengungen loben: Freitagabend in Frankfurt gestartet, kommen sie erst am frühen Sonntagmorgen an. Als dann schließlich auch das Gepäck vollständig ist, machen wir uns an die Reisevorbereitungen.

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Fahrrad-Desillusionierung, es geht los, Massai vor Sonnenuntergang

Diese werden von einer erschütternden Erkenntnis begleitet. Chinesische Billigmountaninbikes sind unglaublich schlecht. Schlechter als schlecht. (Sehen aber gut aus.) Schaltungen und Bremsen lassen sich kaum einstellen. Micha sagt: “Tine, mach doch mal ne Probefahrt!“ Der Fahrradreifen antwortet „Pfffft!“ und offenbart später einen zentimeterlangen Riss, nigelnagelneu und nur fünfhundert Meter gefahren, versteht sich (und das ist schon der zweite Platte!). Wir haben ein bisschen Angst, was noch alles auf uns zukommt. Mein Fahrrad kommt mit neuer Hinterradachse wieder ins geschmeidige Rollen, ein Traum! Selbst alle Gänge funktionieren plötzlich wieder. Kleiner Werbeblock: unser Sorgentelefon-Fahrradmechaniker heißt Bierenfeld und sitzt in Holler im schönen Westerwald, für jedes bisherige Problem kannte er eine Lösung. Tobis Eltern waren oft bei ihm im letzten Jahr, auch dafür vielen Dank.

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Staubig!

Wir machen uns also guter Dinge, wenn auch ein bisschen ängstlich, auf den Weg. Wir wollen in der Woche, die wir zusammen unterwegs sein werden, nicht besonders viele Kilometer machen, sondern hauptsächlich Zeit zusammen verbringen. Entsprechend ausgedehnt sind unsere Pausen, die wir mit Quatschen verbringen - und mit dem Stollen, den Tobis Mutter gebacken hat. Tobi und ich bilden uns außerdem fort, denn die zwei haben uns Lesestoff aus Deutschland mitgebracht - was, Schäuble ist jetzt Finanzminister? Wohl noch nie in unserem erwachsenen Leben haben wir so wenig Ahnung von deutscher Politik gehabt.

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Tine, Micha, Abwarten

Zwischen Quatschen und Lesen sitzen wir auf den Rädern, nach 100 km wartet eine teilweise holprige Piste auf uns. Das ist anstrengender, gleichzeitig interessanter und die Menschen werden umso netter, je weiter wir uns von den Touristenregionen entfernen. Zuerst hören wir noch jede Menge mündlich vorgetragene Anträge zur finanziellen Unterstützung, doch als wir nach Babati auf eine Nebenstrecke gelangen, hört das praktisch völlig auf. Kinder schenken uns Zuckerrohr (ungeschält eine Herausforderung für die Zähne), alle grüßen freundlich und zweimal können wir Fahrradreparaturhilfe leisten, als wir selbst gerade dabei sind. Einmal fragen wir bei einer Schule nach einem Zeltplatz. Etwas später ist es dann eine Kirche, die uns dort übernachten lässt.

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Kanuausflug auf den Hippo-See - auf dem letzten Bild kann man fast eines erkennen

Hier führen wir ein richtiges Mzungu-Theater auf, schließlich müssen wir unseren Zuschauern, bestehend aus zwanzig Kindern, ja auch etwas bieten! Akt 1: Zeltaufbau. Akt 2: Fahrradreparatur mit Tobi in der Hauptrolle. Akt 3: Daniela haut erst Tobi und dann Kinder mit der Isomattenrolle (alle sind entzückt, nur ein kleines Kind weint). Akt 4: Großes Finale: Wir kochen. Es dämmert und der Vorhang fällt. Die Zuschauer, den größten Teil der Zeit mucksmäuschenstill verharrend, gehen nach Hause (kein Applaus, keine Standing Ovations, keine Bravo-Rufe). Morgens geht es dann ähnlich weiter. Tobi und ich sind im Vergleich zu Micha und Tine schon recht abgestumpft gegenüber dieser Form der Minimierung unserer Privatsphäre oder machen uns, wenn wir gut gelaunt sind, einen Spaß daraus. An eben diesem Morgen überlegen wir uns tatsächlich kurz, ein Tänzchen auf die Wiese zu legen, um uns und die Kinder zum lachen zu bringen. Dazu sind wir dann doch zu schüchtern, Jonglage oder Zauberkunststücke zu können wäre perfekt.

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Anstiege, sattes Grün, "Einmal Reis mit Bohnen, bitte!"

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Weiter geht's, Mzungu-Theater

Gute Laune ist auch dann wichtig, wenn man es an einem Vormittag auf ein abgefallenes (chinesisches) Pedal und drei platte Reifen bringt. Wusstet Ihr, dass sich ein Hinterrad inklusive Ritzel super zur Glücksrad-Simulation eignet? (Lösungswort „Promiskuität“ und Tobi hat‘s geraten - nur Preise gab es keine.).

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Schmetterling, Fahrrad-Reparatur (eine von vielen), Anfahrt

Micha und Tine bekommen den ganz normalen tansanianischen Radleralltag mit. Kulinarisch heißt das vor allem: Reis und Bohnen. Manchmal auch Bohnen mit Reis. Mein Auftrag ist die Suche nach einer Essensmöglichkeit (Restaurant würde es nicht ganz treffen). Ich frage also radebrechend nach „Wali, Ugali….“ und optimistisch „Chipsi“? Zu deutsch nach Reis, einer Art Polenta und Pommes, den drei Hauptbestandteilen der einfachen Gastronomie. Pommes, in Rührei zu einer Art Omelette gebacken, sind die Königsklasse, aber selten vorrätig. Wenn es schon keine Haute Cuisine gibt, dann reden wir zumindest darüber. Auch schön.

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Festmahl, Verkauf de beiden chinesischen Rennmaschinen, Busfahrt

Gemeinsam fahren wir nach Katesh und von dort aus mit dem Bus nach Singida. Wir lassen es uns noch einmal richtig gut gehen, essen viel und vergleichsweise abwechslungsreich, spielen Siedler und sehen Wolfsburg in der Champions League verlieren. Wir haben die gemeinsame Zeit wirklich sehr genossen.
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