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Tanga bis Moshi
09. - 15.11.2009

Afrika hat es schwer mit uns oder wir haben es schwer mit Afrika, wir haben es nicht leicht miteinander, soviel steht fest.

Viele unserer Gespräche in der letzten Woche laufen so oder ähnlich ab: „Ach, in Asien, da ist uns das nie passiert!“ sagt dann einer von uns, „Ja, irgendwie war da alles … anders!“ ergänzt die andere und zwei träumerisch verklärte Augenpaare blicken in die Ferne.

Das ist natürlich gemein, in vielerlei Hinsicht. Wir wissen ja selbst noch, wie abgenervt wir zeitweise von Pakistan waren, nur liegt das schon weit zurück und ist durch positive Erinnerungen überlagert. Afrika ist ganz anders, als Asien, auch als Europa. Das ist natürlich keine riesige Neuigkeit, aber zumindest bisher fällt es uns schwer, uns auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und einzulassen.

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Bayernfan, Auf und ab

Statt also dankbar zu sein, dass ich mich anziehen kann wie ich will und nicht mehr zehn Leute täglich fragen, warum wir noch keine Kinder haben, ärgern wir uns über viele Erlebnisse. Touristische Orte zum Beispiel sind ganz schrecklich, weil immer direkt viele junge Männer um uns herum sind, die etwas verkaufen wollen. Ich weiß nicht, wie oft ich wiederholen muss, dass wir WEDER eine Safari machen NOCH den Kilimandscharo besteigen wollen. Ersteres kostet mindestens 100 $ am Tag pro Person, zweiteres 1000 $ (für fünf Tage!)- damit hat sich die Frage nach dem Warum (für uns) ja wohl erledigt. Heute hab ich‘s dann mal mit Ironie probiert: „What are you doing today?“ „First Safari, then climb Kilimanjaro!“ „Which company?“ fragt er nur zurück. Versuch fehlgeschlagen.

Als Weißer ist man hier nicht Gast oder Attraktion, sondern einfach: reich. Egal, wie wir uns verhalten. Der Hintergrund sind einerseits die Touristen, die in ihren wenigen Wochen Urlaub im Jahr viel Geld ausgeben (das sei ihnen auch gegönnt). Außerdem sind da die Expats, die im Vergleich zur lokalen Bevölkerung viel verdienen. Und die jungen Volunteers, die wahrscheinlich von Mutti und Vati mit einem Safari-Taschengeld ausgestattet werden, bevor sie ins wilde Afrika aufbrechen. Wir sehen so viele Weiße, dass mir Afrika wie eine Art überdimensionaler Abenteuerspielplatz für im Heimatland gelangweilte „Westler“ vorkommt. Bei den dicken weißen SUVs gucke ich bald schon nicht mehr, ob sie zu einer NGO gehören, sondern nur noch zu welcher.

Ich bin selbst ein wenig erschrocken über meinen Zynismus, der leider immer wieder Nahrung erhält. In Tanga sprechen wir mit einem Österreicher, Gerhard. Er hat mit seiner Familie über zehn Jahre in Zimbabwe gelebt. Nun sind sie nach Tansania gekommen, um ein kleines Beach-Resort zu eröffnen. Nach eineinhalb Jahren geben sie auf - vor allem wegen der Korruption, die es ihnen unmöglich macht, etwas aufzubauen. Für die bloße Umschreibung des Grundstücks vom Vorbesitzer auf ihn und seine Frau, die Vorraussetzung für alle weiteren Arbeiten, sollen sie dem zuständigen Beamten 1000 $ bezahlen - dabei ist dies seine Aufgabe. Gerhard berichtet von „Ladungen“ von Volunteers, die regelmäßig für ein halbes Jahr anreisen, um in einer Schule zu arbeiten. Nach dieser Zeit reisen sie dann frustriert wieder ab, weil die einheimischen Lehrer mit der Ankunft der weißen Mädchen (interessanterweise scheinen hier sehr viele Volunteers Frauen zu sein) nicht mehr zum Unterricht kommen.

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Tropische Vegetation, Termitenhügel, Riesentausendfüßler


Ich will natürlich nicht jede Form von Entwicklungshilfe verdammen. Zumindest scheint aber nicht alles, was gut gemeint ist, gut zu funktionieren. Einen für uns spürbaren Effekt hat jedenfalls die Anwesenheit der Wazungu (also Weißen) in Tansania: Die Botschaft, dass jede/r Weiße/r Geld verteilt, scheint zumindest bei vielen Kindern angekommen zu sein. „Give me your/the/my money!“ ist nach „Mzunguuuuuuu!“ inzwischen der häufigste Schrei. Aber auch junge Erwachsene fragen uns schon mal nach einem T-Shirt oder unseren Trinkflaschen.

Solche Erlebnisse frustrieren uns, ich habe das Gefühl, nicht wirklich hinter die Fassade sehen zu können und die Menschen und ihr Leben zu verstehen. Es ist schön, dass hier mehr und offen gelacht wird. Gleichzeitig wird Desinteresse viel demonstrativer zur Schau gestellt. In untouristischen Orten kommt niemand auf die Idee, für das (unglaublich günstige) Essen oder die Übernachtung mehr Geld als gewöhnlich zu verlangen. Weshalb uns das überrascht? Als wir einmal für zehn Kilometer einen Minibus nehmen, weil sich mein Hinterrad nicht mehr dreht und es dunkel wird, bezahlen wir nicht nur für den Bus einen utopischen Preis, nein, der Busbegleiter versucht auch, unsere Luftpumpe zu verstecken und kassiert als ungewollter Vermittler in der Unterkunft eine „Provision“, die unsere Kosten verdoppelt. Ein netter Einheimischer vermittelt uns dann für den nächsten Tag einen Mechaniker, der uns tatsächlich helfen kann und lädt uns sogar zu sich nach Hause ein.

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Affenmama, Affenpapa, Affenbande

So geht es also nicht nur landschaftlich auf und ab, sondern ebenso stimmungsmäßig. Tobi ist mal wieder vom Durchfall geplagt, der unser Tempo verlangsamt. Und das an unserem einjährigen Jubiläum! Obwohl, in der Häufigkeit, in der ihn Darmprobleme plagen, eigentlich einfach nur statistisch normal. Wir sehen Affen im Hof unseres Hotels und trauen uns unter anderem wegen der vielen „Give me money“-Rufe nicht, wild zu zelten. Die Landschaft verändert sich von den feuchten Küstenregionen mit einer riesigen Auswahl an leckeren Früchten zur kargen Steppe auf unserer linken und den Usambara- und Parebergen auf der rechten Seite. Die Temperaturen werden angenehmer, die Straße ist gut und meistens hügelig und die Busfahrer sind von einem ähnlichen Schlag wie die pakistanischen: alles, nur nicht bremsen, möglichst auch nicht lenken, scheint ihr Motto.

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Straßenszenen, Kili zum ersten

Wir sind froh, als wir in Moshi ankommen, wo wir bei Unterstützern der Krankenstation in REHA bleiben können, an die unsere, besser gesagt Eure Spenden gehen. Natürlich wollen wir das Krankenhaus auch selbst besuchen! Zunächst einmal verordnet ein Arzt Tobi eine Woche Zwangspause wegen seines schmerzhaften Ausschlages am Hinterteil, und so ist es fraglich, ob wir den Kilimandscharo noch mit dem Rad umrunden können oder ob wir warten und direkt nach Arusha radeln.
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