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Karachi bis Sansibar
18.10. - 02.11.2009


Radfahren ist anstrengend, manchmal. Deshalb ernten wir häufig ungläubige Blicke, wenn wir sagen, dass wir möglichst alles mit dem Fahrrad fahren.

Fliegen mit dem Fahrrad, das ist allerdings die Königsklasse. Vor allem mental!

Einen Tag vor Abflug erreichen wir endlich jemand bei Qatar Airways, der uns etwas zu den Bedingungen zum Fahrradtransport sagen kann. Auf unsere E-Mails hat nie jemand reagiert, und unser Besuch im Büro in Islamabad war auch erfolglos, das könne man uns nur in Karachi sagen.

So gibt man uns also Maße durch, die die unserer Räder deutlich überschreiten. Eingepackt müsse das Rad außerdem sein, und das Paket höchstens 158 lang.

Hilfe! Woher bekommen wir einen Karton? Zum Glück kennt Sohail professionelle Verpacker, die das ganze noch am Samstag Abend erledigen. Wir organisieren ein Taxi zum Flughafen mit Dachgepäckträger und fahren mitten in der Nacht los.

Erst kommt der Zoll. Die wollen, dass wir die Pakete öffnen, wir sagen: nur, wenn sie wieder genauso eingepackt werden. Na gut, die Räder können drin bleiben, nur ein wahnsinnig desinteressierter Drogenhund begutachtet sie nasal, ebenso wie alle Taschen. Wir nennen ihn spontan Eduard. Dann kommt noch die menschliche Taschenkontrolle, praktisch alles müssen wir ausräumen. Hu, auch geschafft. Dann: der Check-in.

„Die Kartons sind viel zu groß, was ist da drin? Fahrräder? Können wir nicht transportieren.“ „Waaaas?“ Tobi will sich schon aufregen, aber ich wittere, dass der Typ eigentlich nett ist und erkläre meine telefonischen Erkundigungen und unsere Einpackbemühungen und überhaupt, den karitativen Aspekt unserer Tour. „Na gut!“ Und einen dicken Discount auf das Übergepäck bekommen wir auch, nur etwa 15 statt 40 (!!!) Kilo müssen wir bezahlen.

Der Flug an sich bringt keine Komplikationen mehr mit sich. In Dohar, unserem Zwischenhalt, sehen wir viele krebsrote Europäer mit ein paar Urlaubskilos zu viel auf den Rippen, spärlich bekleidet. Oha, wir müssen uns umgewöhnen. Tansania gibt uns drei Monate Visum, noch nicht mal ein Passfoto wollen sie haben, und wir werden von Frau Mosha empfangen, die quasi verwandt ist mit „unserem“ Krankenhaus in Reha. Sie ist eine lebendige, energetische Tansanianerin, sie lacht laut und viel und schlägt mir dabei auf die Schulter. Und ich, ich freue mich über so viel weibliche Offenheit.

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Abschiedsessen mit Sohail und seiner Familie, Dar Es Salaam vom Wasser, kleine Regenzeit

Erste Eindrücke: Überall sind Frauen auf den Straßen, sogar als Polizistinnen. Irgendwie scheinen sie hier besonders weiblich Formen zu haben, vor allem Po und Busen sind enorm, oder sie tragen an beiden Stellen Push-ups (vielleicht kann ich irgendwann mal fragen!). Die meisten tragen Röcke, knie- oder bodenlang. Muslimische wie christliche Menschen sind präsent. In Dar Es Salaam fallen wir als Weiße kaum auf, da hier viele Expats leben und auch einige Touristen die Straßen beleben. Ganz schön viele NGOs hier. Es gibt wieder Bier! Wow!

Zwei schöne Tage verbringen wir bei Frank, der hier arbeitet und der Rad- wie Motorradfahrer ist. Zufällig spricht uns ein junger Mann auf der Straße an, der eine Radreise durch Westafrika plant. Uns schwant, dass da mehr Informationsarbeit auf uns wartet als gedacht.

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Schmetterlinge, Vorsicht Affen!

Erst einmal machen wir aber Urlaub, quasi. Auf Sansibar und Pemba. Ich habe da übrigens eine kleine karnevalistische Behinderung, die mich denken lässt, die Insel sei das Kind von Rhein und Afrika.

Wir werden erst einmal beim Ticketkauf übers Ohr gehauen und Tobi hat Mühe, unser Geld kurz vor Ablegen der Fähre zurück zu bekommen. Eine andere Liga hier, wir müssen uns wohl umgewöhnen. Dann sind wir da, und wir sehen: Touristen. Und wir hören: „Jambo, brother!“ von Einheimischen. Alle sind ganz wild darauf, uns etwas zu verkaufen, zum Beispiel Klamotten oder Ausflüge oder Sonnenbrillen. Oder Schmuck, den sie gerade selbst tragen als ihre eigene Ausstellungsfläche. Wir essen also im Park, da setzt sich jemand neben uns und fängt ein Gespräch an und erzählt was über Suaheli oder Fußball. Nach einigen Minuten dann der finale Vorstoß, die Plauderei wird zum Verkaufsgespräch. Ermüdet winken wir ab, nach ein paar Tagen erwarten wir nichts anderes mehr: Wir sind Kunden, sie sind Verkäufer, so ist das wohl, und zwar in jedem Moment.

 

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Affen

Natürlich: Sansibar ist schön. Wir verbringen drei Tage an der südlichen Ostküste in einem bescheidenen Bungalow am einsamen Strand, palmengesäumt, versteht sich. So lässt es sich leben! Es ist Nebensaison und die Übernachtungspreise sind Verhandlungssache. Gut für unsere Reisekasse, denn Sansibar ist nicht billig. Im Norden der Insel, in Nungwi, gefällt es uns nicht so gut, hier sind wir ständig im Visier der Verkäufer und der Strand ist auch nicht so schön.

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Unser kleiner Privatstrand

Unser Verhältnis zu anderen Reisenden ist hier komplett anders als in Pakistan. Dort hatten wir das Gefühl, mit den meisten zumindest genügend Gemeinsamkeiten zu haben, um einen kurzen oder längeren Schwatz zu halten. Pakistan ist ein Land, das biedert sich dem Reisenden nicht an. Es sagt dir, voller Stolz: entweder du nimmst mich, wie ich bin und hältst dich an meine Regeln. Dann biete ich dir faszinierende Erkenntnisse. Oder du fährst eben woanders hin. Entsprechend sind die, die da sind, zumindest in irgendeiner Form interessiert.

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Fußballbildung, Tiere und Wasser

Hier sagt eine junge Frau aus Norwegen, wenn wir aus Pakistan kämen, dann wären wir doch jetzt sicher froh, wieder in der zivilisierten Welt zu sein. Was auch immer das heißen mag. Wer hierher kommt, der möchte sich (zumeist) nicht auf eine andere Kultur einstellen oder gar sein Verhalten ändern. Die meisten Touristen, die wir sehen, kommen aus zwei Gründen: Tiere und Strand. Nebenrolle: die süßen Schwarzen, die immer „Jambo!“ sagen, Reggae hören und manchmal zum Begleiter der einsamen weißen Frau werden. Kleiderordnung (egal wo): Bikini oder Badehose, dann irgend etwas drüber geworfen, Hauptsache: viel Sonne auf die weiße Haut. Erkenntnis: 90% der Frauen, die Bikini tragen haben KEINE Bikinifigur. Am Strand: mir egal. Ansonsten: bin so viel nackte Schwabbelhaut nicht mehr gewohnt. Oft habe ich mich in den letzten Monaten sehr europäisch gefühlt. Jetzt denke ich häufig: Ist das Europa? Sansibar ist übrigens mehrheitlich muslimisch, da finde ich einen solchen Look einfach unpassend.

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Abend, Geburtstag, tansanianinscher Werder-Fan

Für uns reicht es statt der „Big Five“ in der Serengeti (Budget-Safari ab100 Dollar am Tag pro Person, sagt unser Reiseführer - das geht zu weit) nur für Kleintiersafaris. Bisher können wir („small two“, sagen wir mal) Schmetterlinge und Affen aufweisen. Auch schön! Ansonsten hoffen wir, noch mehr zu erfahren außer Tieren und Strand.
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