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Die Komponente BwPostman ist nicht installiert!
Mellila bis Almansa
25.04. - 03.05.2010

„There´s something wrong with mass consumption, why do we want what we don´t need?" (NOFX - Philthy Phil Philanthropist)


Heute sagt mir ein Fahrradhändler, dass ich ja wohl mein Rad wegwerfen kann, wenn wir wieder zu Hause sind.


Er schaut sich das Ritzel und das Kettenblatt mit entsetzter Mine an, und dann nimmt er die Messlehre, um die Abstände zwischen den Kettenglieder zu messen. Er schüttelt den Kopf.


Ja, aber, sage ich, der Rahmen. Der ist doch noch gut. Pah, sagt er, Rahmen. Aber du musst das austauschen und das und das - kauf dir lieber ein neues Rad.


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Mittlerer Küste, Tobis Mantel ist hinüber

Das hat man also davon, wenn man mit dem guten alten Velotraum, dass inzwischen mit seinen „nur" Shimano-Deore-Komponenten fast 19.00 Kilometer hinter sich hat, in einen blitzenden Laden voller strahlend neuer Rennräder marschiert, weil es irgendwie komische Geräusche macht.


Immerhin, er versucht nicht, mir Ersatzteile anzudrehen, die ich nicht brauche, und will nur das nötigste austauschen, sagt er. Als wir aus dem Laden raus sind, brechen wir in schallendes Lachen aus über diesen Zusammenprall der Welten, in der die eine die andere nicht verstanden hat.


Nur zur Erklärung: Unsere Fahrraderhaltungspolitik ist so ausgerichtet, dass wir mit den Geräten bis nach Hause kommen (und bisher sieht es auch so aus, als würde das hinhauen). Dann haben Ritzel und Kettenblatt das Recht, kaputt zu sein und werden ersetzt, und beim Rest schau‘n wir dann mal.


Aber hier sind wir eben wieder in Europa, und da kann man es sich gemeinhin leisten, alles neu und schön zu haben, und wir, die wir eben noch die Reichen waren, scheinen plötzlich eher am unteren Ende der Gesellschaft angekommen zu sein, wenn wir im verschwitzten T-Shirt am Straßenrand sitzen und Brot essen.


In der ersten Zeit kommen wir tatsächlich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Boah, was für Autos! Sind die in Deutschland auch so groß und neu gewesen, als wir gefahren sind? Und diese Supermärkte. Der erste LIDL macht mich völlig fertig.


In Marokko, auch in den Großstädten anderer afrikanischer Länder, gibt es durchaus große Supermärkte. Sie sind aber rar gesät, und zudem im Vergleich zu den kleinen Lädchen auf dem Land wesentlich teurer (also genau umgekehrt wie in Deutschland). Auf dem Land bekommen wir immer das selbe und somit ist es für uns immer ein Fest, wenn zum Beispiel, sagen wir, Chips auftauchen. Vorratshaltung ist ja auf dem Rad nicht so einfach, also ist unser Speiseplan meist recht einfach gestrickt.


Und jetzt steht da so ein Discounter mit dem Versprechen niedriger Preise, völlig vollgestopft von Produkten. Unmengen Säfte, Softdrinks, Wurstsorten, Konserven, Müsli. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll. Eine Gehirnhälfte sagt mir, alles in den Wagen zu packen, die andere, schnell wegzulaufen und alles ebenso schnell zu vergessen. Ich versuche kontrolliert einzukaufen und wir schleppen dennoch die Hälfte der Sachen mehrere Tage mit uns herum, in denen wir natürlich an zwanzig weiteren Supermärkten vorbei gefahren sind. Ab jetzt dauert jeder Supermarktbesuch lange.


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Ausblicke nach dem Herauffahren

Einerseits freue ich mich, ja. Andererseits frage ich mich: wer braucht zwanzig Sorten Joghurt? Und: wer braucht 2-Liter-Flaschen Softdrinks? Mir kommt es gerade wie eine logische Konsequenz vor, dass so viele Menschen in Europa übergewichtig sind, wer kann da noch widerstehen? Und ich frage mich, ob Discounter wirklich billiger sind, oder ob man dort letztlich dann doch immer mehr einkauft, als man möchte (Heckenschere! Im Angebot!) oder braucht. Aber gehen wir einfach mal davon aus, dass der größte Teil der europäischen Bevölkerung in dieser Beziehung bessere Kompetenzen besitzt als zwei Leute, die gerade nach langer Zeit heimkehren.


Apropos: Heimkehr. So fühlt es sich nämlich auch an. Neben der Verwirrung, die uns manchmal ob früher wahrscheinlich als normal erachteter Situationen befällt, fühlt es sich auch an wie: zu Hause.


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Bauprojekte und Kritik daran, der Mond

Wir sind niemand besonderes mehr, sondern - mehr oder weniger - wie alle anderen. Niemand starrt uns an, und wir kennen die Regeln, nach denen das Leben läuft. Wir werden in Ruhe gelassen - sogar Rennradfahrer grüßen uns oft nicht. Manchmal seltsam, manchmal schön, in jedem Fall aber: vertraut.


In Almeria kommen wir erst einmal auf die Idee, noch ein paar Kilometer an der Küste zu fahren, um, höhö: „Kilometer und Höhenmeter zu sparen". Sehr lustig im Nachhinein, denn auf den kurvenreichen Straßen, die dem Küstenverlauf folgten, war nicht viel zu sparen. Ganz schön war es dafür, wenn man von den seelen- und auch touristenlosen Touristenorten absieht, die wir immer dort vorfinden, wo die Küste nicht ganz so steil und die Bucht etwas größer ist. Wildcampen ist hier schwierig, und Campingplätze kosten so viel wie ein marokkanisches Hotel der unteren Mittelklasse, aber nach drei Tagen führt unser Weg ohnehin ins Landesinnere. Auf einem Campingplatz treffen wir übrigens einen sehr netten niederländischen Mann, der uns vor den Bergen Luxemburgs warnt. Ja, im Vergleich zu den Niederlanden kann man dort sicherlich mit Fug und Recht von einem Hochgebirge sprechen. Wir bibbern schon.


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Zwischen Gewächshäusern, Achtung Radfahrer, Stierkampf

Apropos: Hochgebirge. Spanien ist ja wirklich ganz schön hügelig. An dem Teil der Küste, den wir befahren, geht es nur berauf und bergab (und auf den kleinen Nebenstrecken oft atemberaubend steil), und auch im Landesinneren reiht sich eine Erhebung an die andere. Wow, da liegt noch einiges vor uns! Auf größeren Ebenen erstrecken sich riesige landwirtschaftliche Flächen unter Plastiplanengewächshäusern. Das ist alles andere als schön, hier kommt also das gute spanische Gemüse her! Insofern freuen wir uns, wenn die Landschaft eine solche Verschandelung nicht zulässt, auch wenn das für uns mehr Steigungen bedeutet. Nach ein paar Tagen schaffen wir dann auch mehr Kilometer, sodass wir noch guter Dinge sind, ohne andere Verkehrsmittel rechtzeitig anzukommen.


Wenn mein Fahrrad weiter mitspielt.
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