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Singida bis Kigali
09. - 15.12.2009

So, da wären wir wieder. Tobi, Daniela, zwei Fahrräder, jede Menge Gepäck. Sonst niemand. Na, stimmt nicht ganz. Jede Menge Menschen, natürlich. Und wir bei dem Vorhaben, bis zur ruandischen Grenze mit dem Bus zu fahren. Es gibt offensichtlich nicht viel zu sehen, und wir haben ja Vorstellungen, wann wir in Deutschland zurück sein möchten.

Bus fahren mit Rädern ist in Tansania eine gewisse Herausforderung. Die großen Busse haben fast nie Dachgepäckträger und recht kleine Gepäckfächer. Busbahnhöfe sind für jene Menschen ein angenehmer Aufenthaltsort, die ihre Multitaskingfähigkeiten in einer Art Prüfungssituation unter Beweis stellen wollen.

Immer sind jede Menge Menschen da, die etwas wollen und uns im Zweifel förmlich das Gepäck aus der Hand reißen, um es irgendwo zu verstauen, ohne dass wir uns vorher vergewissert haben, ob es überhaupt der richtige Bus ist (das geht Einheimischen übrigens genauso). Während die Tansanianer uns bisher durch eine sehr entspannte Lebenseinstellung aufgefallen sind, muss in diesen Situationen alles rasend schnell gehen. Die Gepäckträger arbeiten freiberuflich und möchten natürlich so viele Reisende abfertigen wie möglich. Entsprechend lieblos quetschen sie unsere Räder in das Gepäckfach, meine Schutzblechhalterung geht dabei kaputt, wir sind leicht gereizt, egal, es geht los.

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Singin' in the rain, BVB-Fan, Daniela mit Kindern

Für uns überraschend ist die Straße geteert, ebenso überraschend müssen wir in einen Minibus umsteigen. In völliger Hektik, wie gewohnt, und als wir selbst einsteigen, sitzen darin schon gut fünfzehn Menschen. Das heißt: Stapeln. Als wir in unserem Zwischenziel Kahama nach fünf Stunden ankommen, ist es uns ganz recht, dass erst am nächsten Morgen wieder ein Bus fährt.

Trotz Erkundigung am Vortag und Ticket will der uns dann nicht mitnehmen, statt dessen werden wir in einen Minibus verfrachtet, der Transport der Räder kostet soviel wie unser eigener. Warum, das schwant uns, als an einer Polizeikontrolle der Polizist um den Bus herumschleicht und immer wieder das Wort „bicycle“ fällt. Nicht, dass es verboten wäre, Räder so zu transportieren, aber eine gewisse Beteiligung an unserem Fahrpreis erwartet die Polizei schon, und so wechselt ein Schein den Besitzer. Korruption ist offensichtlich ein großes Problem in Tansania.


Wir sind froh, als wir nahe der Grenze ankommen. Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg, und schon die Grenzregion lässt uns erahnen, dass wir tatsächlich ins Land der 1000 Hügel unterwegs sind: es geht immer hoch oder runter, nie geradeaus.

Die Grenzkontrollen sind extrem unkompliziert, unsere Fahrräder werden vom Zoll keines Blickes gewürdigt. Ein neues Land wartet auf uns! Naiv und froh wie immer machen wir uns auf den Weg.

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Deutsch-kanadische Weihnachtsfeier

Ruanda erscheint uns direkt anders an Tansania. Zunächst einmal ist es extrem dicht besiedelt, 11 Millionen Menschen drängen sich in einem Land, das ein Drittel größer ist Rheinland-Pfalz. Überall fast sind Siedlungen. Die Menschen sind freundlich, winken uns zurück, wenn wir grüßen und lachen uns zu. Die Kinder geben sich damit nicht zufrieden. Wenn wir in einem Anstieg langsam erscheinen, rotten sie sich zusammen und folgen uns. Dabei rufen sie meist „Good Morning!“ (manchmal mit dem Zusatz „teacher!“), manchmal „Bonjour“, und sie sind verflixt ausdauernd: zwei, drei Kilometer bergauf halten sie locker mit uns mit. Manchmal schieben sie uns sogar, eher mich, vielleicht, weil ich zumeist hinten fahre. Das ist schon sehr schön, eine Steigung so locker hoch zu fahren. Teilweise schwindet ihnen dann die Kraft und das Schieben geht in Anhängen über, dann wird es Zeit für mich, das Tempo zu erhöhen. Alles in allem eine nette Erfahrung.

Pause machen ohne Zuschauer ist schlicht unmöglich. Zwanzig, dreißig Leute stehen schnell um uns herum und gucken uns an, wie wir etwas trinken und essen. Mzungu-Theater, Teil II.

Auch die Sprache hat sich geändert. Kisuaheli wird wohl teilweise auch gesprochen, aber ehe die eigene Sprache Kinyarwanda. Zusätzlich Englisch, in dem neuerdings auch unterrichtet wird. Und Französisch.

Für mich ist das grausam. Ich habe sieben Jahre lang Französisch gelernt, in der Schule. Mein Können steht dazu in keinem Verhältnis, und ich bin sehr wütend auf mich deshalb. Ich fühle mich quasi von mir selbst peinlich berührt, wenn es mir schon Probleme bereitet, ein Hotelzimmer zu organisieren - das ging ja fast in Kisuaheli besser, in Russisch allemal. Ich hoffe mal auf mich selbst. Wird schon werden.

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Mopedtaxi, Pause, Partnerschaft

Nach zwei Tagen landen wir in Kibungo, wo wir bei Couchsurferin Anna für zwei Nächte unterkommen. Das ist mal wieder richtig nett. Anna ist Lehrerin und trainiert als Freiwillige für ein Jahr ruandische Lehrer. Wir haben gemeinsam mit drei weiteren Volunteers ein Weihnachtsessen inklusive kleinem Plastikweihnachtsbaum, Geschenken und Laptop-Kaminfeuer. Trotzdem: bei diesen Temperaturen will einfach keine richtige Weihnachtsstimmung bei mir aufkommen.

Wir erfahren viel über das Leben in Ruanda. Etwa, dass man in der Öffentlichkeit eigentlich nicht isst und trinkt, vielleicht haben uns die Menschen auch deshalb so angeschaut? Dass die Bevölkerung rasend schnell wächst, obwohl das Land schlicht nicht für mehr Menschen ausreicht. Dass die Lehrer schlecht bezahlt und überarbeitet sind. Dass die Unterrichtssprache von Französisch auf Englisch geändert wurde, obwohl die meisten Lehrer das gar nicht sprechen. Dass das Essen hauptsächlich aus Kohlenhydraten besteht, was wir optimal finden. Und vieles mehr.

Von hier aus geht es nach Kigali weiter, wo die Verlockungen und Aufgaben der Stadt auf uns warten (Wäsche waschen, Internet, Einkaufen, Organisation). Danach möchten wir uns in den Westen des Landes aufmachen und dort Weihnachten verbringen. Oder doch schon in Uganda?

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