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Die Komponente BwPostman ist nicht installiert!
In Ruanda
13.12.2009

Sicherheitsinformation: Tobi meint, dieser Beitrag wäre recht kompliziert geschrieben. Er handelt praktisch ausschließlich von Gedanken. Wenn Ihr ihn nicht lest und einfach zum nächsten Bericht weitergeht, verpasst Ihr also nur Überlegungen, keine Erlebnisse.

Die Öffentlichkeit ist manchmal ja so eine Sache. Wenn wir auf unserer Website schreiben, freuen wir uns, wenn andere unsere Artikel lesen, und noch mehr freuen wir uns natürlich über positives Feedback.

Aber, kritische Äußerungen gehören ebenso zur Öffentlichkeit dazu, so etwa ein aktueller Gästebucheintrag. Zusammengefasst steht darin der Vorwurf, der Schreiber lese unsere Berichte nicht mehr so gerne wie zuvor und sie würden eine Anti-Afrika-Stimmung verbreiten. Wir sollten nach Hause fahren und die Spenden für etwas anderes sammeln.

Da Ihr alle diesen Eintrag lesen könnt, möchten wir gerne reagieren. Einerseits, um dem Beitragschreiber zu antworten, ebenso, um meine Art des Schreibens zu erklären.

Zu lesen, dass jemand unsere Berichte nicht mehr so gerne liest, tut natürlich ein bisschen weh (weinen musste ich aber noch nicht). Diese Aussage an sich ist für mich aber prinzipiell nachvollziehbar. In den letzten Wochen ist uns in vielen Begegnungen die Leichtigkeit abhanden gekommen, die vorher da war. Der Kontinentwechsel hat uns gestresst, vieles war unverständlich. Unsere Herzen waren noch woanders, vielleicht.

Dass man dies den Berichten anmerkt ist klar. Denn in erster Linie dienen sie dazu, über unsere Reise zu berichten, zu erzählen, was passiert und wie es uns damit geht. Was wir lernen, was uns abstößt und Spaß macht.

Wenn es uns nicht so gut geht, dann schreibe ich also davon. Wir schreiben nicht alles, nein, wir sind ja schließlich in der Öffentlichkeit und wägen ab, was für andere interessant und für uns nicht zu privat ist. Ich selbst lese nicht gerne allzu unpersönliche Berichte, möchte über den Menschen etwas erfahren, der die Reise tut. Also schreibe ich so, wie ich‘s tue.

Das beinhaltet auch Selbstreflexion. Warum erlebe ich diese Situation so, welche Erfahrungen und Hintergründe fließen in meine Sichtweisen und Bewertungen ein? Im Fall Tansania: Warum fühle ich mich oft nicht wohl? Diese Gedankengänge könnt Ihr auch in den Berichten verfolgen.

Und genau dies ist der Grund, warum ich den Vorwurf, wir würden eine „Anti-Afrika“-Stimmung verbreiten, nicht nachvollziehen kann. Welche Erlebnisse (neben unserer eigenen Geisteshaltung) es uns schwer machen, uns gut zu fühlen, das beschreibe ich, ja. Das sind übrigens zum Großteil übrigens weniger Aspekte, die „ursprünglich“ afrikanisch sind (was auch immer das sein mag, so genau wissen wir das selbst nicht) als solche, die in Wechselwirkung mit Entwicklungshilfe und Tourismus entstehen. Falls jemand herausgelesen hat, Afrika sei voll doof, der sei versichert: wir denken nicht so.

Auch nicht alle Entwicklungshilfe verteufeln wir. Wir haben einige negative Eindrücke gewonnen, ja. Das hat aber nicht dazu geführt, dass wir unsere eigene bzw. Eure Unterstützung für die Krankenstation in Reha in Frage stellen. Dieses Projekt ist sinnvoll, es liegt in den Händen engagierter Menschen in Deutschland und Tansania, die dafür ihre Freizeit aufwenden. In Reha sind es ausschließlich Einheimische, die den Alltagsbetrieb am Laufen halten, das finden wir gut. Es gibt praktisch keine Verwaltungskosten, und mit unserer Spendenaktion konnten wir bereits den Betrieb eines ganzen Jahres sicher stellen. Wir finden das großartig!

Lieber egal (so der Name des Gästebuchschreibers), wenn ich Kritik an einigen Zuständen in einem Land in Afrika übe, heißt es nicht, dass ich mich nicht für ein konkretes Projekt im selben Land engagieren kann. Ich bin Sozialpädagogin und finde trotzdem nicht alles gut, was im ganzen sozialen Bereich in Deutschland läuft. Soll ich deshalb jetzt den Job wechseln? Nein, indem man Kritik übt, überlegt man, welche Messlatten anzulegen sind, was Kriterien einer guten Arbeit sind. Kritik dient zur Weiterentwicklung, nicht zur Zerstörung.

Weiterentwicklung, das heißt auch für uns persönlich: Wir wollen diesen Kontinent besser kennen lernen, wir hoffen, ihn besser zu verstehen, nach und nach. Wir reisen weiter und freuen uns darauf.

Wer uns dabei begleitet, gerne auch kritisch, ist willkommen. Anonyme Kritik im Gästebuch abzuladen, halten wir für eine seltsame Art - warum nicht einfach dazu stehen, dass man nicht einer Meinung ist? Auch bei anderen Einträgen ist es uns ehrlich gesagt lieber, wenn zumindest wir zuordnen können, wer sie geschrieben hat. Deshalb müsst Ihr natürlich nicht alle gleich Name, Postadresse und Email-Adresse eintragen.

Natürlich wird nicht jeder weitere Eintrag zu einer solchen Erklärung führen, keine Sorge. Wäre zu anstrengend. Und darüber würden die schönen Aspekte des Reisens und darüber Schreibens wohl völlig ins Hintertreffen geraten. Sich ab und zu zu vergewissern und anderen zu erklären, was wir da eigentlich tun, ist aber auch nicht übel. Also geht es gut gelaunt weiter. Wir freuen uns, wenn Ihr weiter mitlest.
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