darksunset1.jpgdarksunset2.jpg
×

Fehler

Die Komponente BwPostman ist nicht installiert!
Marrakesch bis Azrou
28.03. - 16.04.2010

Die Osterferien haben wir mit Tobis Eltern verbracht. In ungewohntem Tempo ging es im Mietwagen durch den südlichen Teil Marokkos. Marrakesch beeindruckte uns mit dem lebendigen Platz Djemal El Fna und seinem Souk, wo sich vor allem Tobis Mutter Monika und ich immer erfolgreicher im eisernen Handeln versuchten. Wir verbrachten einige Zeit im Hohen Atlas und an den Sanddünen von Erg Chebi, bevor wir den Antiatlas (teilweise auf Tobis und meinen Spuren) bereisten. Alles in einem für Radfahrer atemberaubenden Tempo, sodass wir innerhalb der zwei Wochen sogar noch einmal Essaouira besuchen konnten. Es war eine schöne Zeit, und wer denkt, wir hätten nur gefaulenzt, sollte nicht unsere wichtigen Aufgaben als Reiseleiter und Dolmetscherin vergessen. Die Fotos zu diesem Artikel stammen fast alle aus dieser Zeit, und manche sind von Tobis Papa, der uns freundlicherweise erlaubt hat, sie hier zu veröffentlichen.

  • 1069_schuhe
  • 1070_oliven
  • 1071_gewuerze

Auf dem Souk, Marrakesch

Seit der Urlaub mit Tobis Eltern zu Ende ist, sind wir nun definitiv auf dem Heimweg.

Ganz konkret haben wir in den letzten zwei Wochen unsere endgültige Route festgelegt und Kilometer zusammen gezählt. Für unsere Verhältnisse ist dabei ein strammes Programm heraus gekommen, das wir uns für die verbleibenden zwei Monate vorgenommen haben, am 13. Juni wollen wir zurück sein und zuvor warten noch etliche Kilometer in Marokko, Spanien, Andorra, Frankreich und nicht zu vergessen Luxemburg auf uns.

Wozu der Stress, fragt Ihr Euch vielleicht. Aber da sind nicht nur zwei Hochzeiten im Juli und August, sondern ich möchte auch zum 1. Todestag meines Vaters wieder da sein, das steht für mich schon seit längerem fest. Also testen wir noch einmal unsere Fitness und hauen ordentlich rein. Und wenn‘s nicht reicht, dann müssen uns eben noch andere Verkehrsmittel in kürzerer Zeit über eine Teilstrecke bringen.

  • 1072_bunt
  • 1074_vonoben
  • 1075_pause

Dar M Nebi, Marrakesch

Gedanklich beschäftigen wir uns schon lange damit, wie es sein wird, zu Hause anzukommen und wieder dort zu sein, immer mal mehr oder mal weniger. Wenn es vor ein paar Monaten manchmal in jeglicher Hinsicht extrem anstrengend war, dachte ich mir: Super, in ein paar Monaten sind wir wieder da. Endlich alle wiedersehen, gutes Essen, saubere Toiletten etc. pp. Das wird toll!

Dann kam irgendwann die Erkenntnis: Dann ist es wirklich endgültig vorbei. Diese Reise, die so lange gedauert, viel Vorbereitung beansprucht und uns in vielerlei Hinsicht einiges gekostet hat, wird zu Ende sein, und das „normale" Leben geht weiter. Was auch immer das ist, „normal". Jedenfalls keine am Zelt vorbei laufenden Elefanten mehr, keine spannenden Begegnungen mit anderen Reisenden oder Einheimischen, kein erschöpftes Einschlafen im kuscheligen Schlafsack. Traurig.

  • 1075_pause
  • 1076_trio
  • 1077_fahrrad

Medersa Ibn Yussuf, Marrakesch

Inzwischen sind wir alles gleichzeitig, mal überwiegt die eine Gefühlsstimmung, mal die andere. Wir machen uns viele Gedanken, wie wir leben möchten und wo und mit wem in unserer Umgebung, was uns wichtig ist im Leben und wie wir es umsetzen können, ohne dass der dicke deutsche Alltag einfach Happ machen kann und er hat uns verschluckt und nur ein paar Fotos an der Wand erinnern uns noch daran, dass alles mal anders war.

Genug der Rede, wenden wir uns dem Konkreten zu, und das ist natürlich, wie zumeist an diesem Ort: Radfahren.

  • 1078_schluessel
  • 1079_jardin
  • 1080_poster

Schlösser, Jardin Majorelle, anprechendes Filmplakat (alles Marrakesch)

Im Moment also: eher mehr davon, so 450 Kilometer pro Woche wollen wir fahren und je einen Tag frei haben (5-Tage-Woche? Pustekuchen!), macht durchschnittlich 75 km pro Fahrtag. Hoch motiviert starten wir in flachen Gefilden, grob in Richtung Fez, und kommen an den ersten beiden Tagen gleich über 200 km voran.

In unserer zweiten Nacht unterwegs möchten wir in Beni Mellal übernachten. Wir haben uns 110 Kilometer vorgenommen, die Gegend hier ist dicht besiedelt und intensiv landwirtschaftlich genutzt, eignet sich also nicht optimal zum Wildzelten. Zwei Holländer berichten uns, dass sie in der Nacht zuvor erfolglos in Beni Mellal nach einer Unterkunft gesucht hätten - der König war zu Besuch und alles restlos ausgebucht. Der sei aber jetzt wieder weg.

  • 1081_aitben
  • 1082_aitben2
  • 1083_stoerche

Ait Benhaddou, Storchennest

  • 1084_picknick
  • 1085_fuesse
  • 1086_tobi

Picknick, Steinformationen in der Dades-Schlucht, komischer Typ

Na, klingelt‘s? Hatten wir so ähnlich schon mal in Togo, hat nicht so gut funktioniert. Aber keine Angst, bei Tobi und Daniela klingelt nix, die denken sich nur, „Klar, der ist ja schon wieder weg, kein Problem!" und fahren frohgemut los.

Als wir in der Dämmerung in der Stadt ankommen, wird uns schnell klar, dass wir wohl doch ein Problem haben. Alles ist mit marokkanischen Fahnen geschmückt, die Straßen, Wege und Plätze sind voller Menschen, alles macht nicht den Eindruck, als wäre da noch Platz für uns. Und wirklich fragen wir uns durch ein paar Hotels, die alle ausgebucht sind und uns noch nicht einmal auf der Dachterrasse unterbringen können/wollen, obwohl ich mich echt bemühe, sehr traurig zu gucken. Einfach aus der Stadt raus fahren geht aber auch nicht, sie hat über eine halbe Million Einwohner und es ist inzwischen stockdunkel. Unangenehm.

  • 1087_schlucht
  • 1088_schlucht2
  • 1089_schuster

Dades-Schlucht

Was tun? Wir wenden uns vertrauensvoll an unsere Freunde und Helfer, das hat in Pakistan ja auch schon einmal geklappt.

Gesagt, getan. Wir fahren also zur Polizeizentrale und wenden uns an einen uniformierten Herrn. Sichtlich und hörbar ist er es gewohnt, dass man tut, was er sagt, und ich würde ja gerne ebenso handeln, nur verstehe ich auf Französisch immer noch höchstens 70% - so werde ich also einige Male angeherrscht. Zum Glück übergibt er uns in die freundlicheren bzw. nachsichtigeren Hände der Ausländerabteilung. Hier ist man zumindest sehr bemüht, und nach einer Stunde können uns die Beamten dort auch sagen, was wir ohnehin schon wussten: alle Hotels sind ausgebucht. Wir haben ja einige Lösungsvorschläge im Kopf (Zelt im Garten eines Hotels aufstellen oder im Garten der Polizei oder in der Zelle schlafen), aber mit dem Zuhören haben die Jungs es nicht so. Wir sind schon ein bisschen genervt über den schleppenden Fortgang und wirklich sehr überrascht, als ein Polizist zu uns sagt: „Ihr kommt jetzt mit zu mir! Folgt meinem Wagen!"

  • 1090_oasenstadt
  • 1091_kamele
  • 1092_brunnen

Tinerhir, Kamele, Foggara in der Nähe Erfouds

  • 1093_tourikarawane
  • 1094_kaefer
  • 1095_aufstieg

Wüstenbewohner und -besucher, Erg Chebi

Könnt Ihr Euch das in Deutschland vorstellen? Ein marokkanisches Paar auf Eseln klopft während der Cebit oder was bei der hannoveranischen Polizei an und sagt, sie finden kein Hotel, und ein Polizist nimmt sie mit nach Hause? (Ok, ich gebe zu, Esel würden die Situation erschweren.)

Hassan gibt uns also ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen dazu, und seine Frau ist außerdem die allererste, die mir das Kompliment macht, ich spräche gut Französisch. Das ist umso unglaublicher, weil sie Französischlehrerin ist (meine eigenen haben sich damals nie zu einer solchen Aussage hinreißen lassen)!

  • 1096_eltern
  • 1097_schatten
  • 1098_schatten2

Erg Chebi

  • 1099_agadir
  • 1100_bemaltefelsen
  • 1101_bemaltefelsen2

Agadir Tasguent, bemalte Felsen bei Tafraoute

Alles in allem also hat das noch gut gekappt, und seit Ewigkeiten mal wieder hat uns jemand in sein Privathaus zum Übernachten eingeladen (wenn auch nicht ganz freiwillig). Morgens um acht verschwindet die komplette Kleinfamilie im Kleinwagen, um Arbeit und Schule zu besuchen, und wir machen uns so auch mal wieder recht früh auf den Weg.

Die Gegend hier ist übrigens komplett anders als alles, was wir bisher von Marokko gesehen haben. Alles ist grün, die Felder sind groß, wir sehen viele Kühe und weniger Ziegen. Der Mittlere Atlas, dem wir uns langsam nähern, kommt uns schon fast vor wie ein deutsches Mittelgebirge. Nicht sehr viele ausländische Touristen kommen hierher, und gleich sind die Menschen noch freundlicher, fast keine Kinder fragen uns nach Geld oder Stiften, statt dessen winken sie uns freundlich zu und viele Autofahrer recken uns anerkennend Ihre Daumen entgegen. Es wird langsam hügeliger, und auch wenn das unser Tempo schmälert, so macht es ja auch doch mehr Spaß, so unterwegs zu sein.

  • 1102_fischer1
  • 1103_fische
  • 1104_fischer2

Fischer und Fische in Immesouane

An einem Abend beginnt ein heftiger Regenschauer, als wir noch auf den Rädern sitzen. Schnell stellen wir unser Zelt oberhalb einer steilen Böschung eines kleinen Baches auf und sind froh, wieder im Trockenen zu sein. Abends um 11 geht Tobi noch einmal kurz raus und entdeckt, dass das Bächlein inzwischen zu einem reißenden Flüsschen geworden ist, das bedrohlich an der Böschung nagt. Schließlich ziehen wir um, aus Angst, mit den Fluten weggeschwemmt zu werden oder zumindest die halbe Nacht wach zu liegen.

Das war es auch schon an Abenteuern, unser Tempo hat sich ein bisschen verlangsamt und meine Beine sind schwer, also legen wir im beschaulichen Azrou einen Ruhetag mit dem üblichen Programm ein - Waschen, Internet, Einkaufen, Essen. Nur noch eine Woche trennt uns in etwa von Europa, unglaublich ist das: Marokko kommt uns ja schon so heimisch vor, was soll da noch kommen?

  • 1105_surferhotel
  • 1106_erdhoernchen
  • 1107_wendy

Hotel in Immesouane, Erdhörnchen, Bild für "Wendy"

Eins bleibt noch zu sagen. Wir haben ja ein neues Zelt, dank Eva Hofmann. Weiterhin ein Bergans Kompakt Light 3. Schönes Teil. Vor allen Dingen ist das neue Modell doch ganz schön anders. So groß. Wir kommen uns fast vor wie in einer Turnhalle, wenn wir uns umschauen. Unser altes Zelt war ein Sportwagen, kann man wohl sagen, und jetzt haben wir eine Limousine. Irgendwann kommt eben der Moment, sagt Tobi.
Joomla templates by a4joomla