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Agadir bis Marrakesch
19. - 27.03.2010

Da sind wir also: Marrakesch. War gar nicht mal so einfach.

Durch meine kurz aufeinanderfolgenden Schwächeattacken in Form zähen Hustens passt der großzügige Plan, den Tobi für unseren Ausflug in den Antiatlas erstellt hat, nur noch gerade eben so in den Zeitraum bis zur Ankunft seiner Eltern. Für diese acht Tage sind es reichlich Kilo- und Höhenmeter, vor allen Dingen im Vergleich zu dem, was wir in letzter Zeit so gefahren sind.

Was genau auf uns zukommt, wissen wir nicht, manchmal ist das ja auch ganz gut. Ungünstigerweise habe ich direkt am ersten Fahrtag einen Durchhänger. Langweilige Landschaft, immer geradeaus geht es und leicht bergauf. Beim ersten größeren Anstieg sitzen wir da und überlegen, ob wir nicht doch den kurzen, einfachen Weg nehmen sollen. Aber das kann ich mit meinem Stolz nicht vereinbaren: wir fahren weiter.

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Kasbah, Dorfbrunnen, Straße

Die erste Nacht verbringen wir im Hotel und treffen dort Teilnehmer einer organisierten Radreise, die uns netterweise Infos zum weiteren Streckenverlauf geben können. Am nächsten Morgen sind sie dann schon vor uns unterwegs, und natürlich holen wir Schwertransporte die leicht beladenen Sportwagen nicht mehr ein.

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Anti-Atlas-Ausblicke, Daniela

Erst einmal geht es: bergauf. Ein richtiger Pass steht an, seit Ostafrika haben wir keinen mehr in Angriff genommen. Und, schau an: nach einer Dusche, einem guten Abendessen und reichlichem Frühstück sieht die Welt ganz anders aus, um nicht zu sagen, es macht mir Spaß, trotz aller Anstrengung. Fast ganz oben stellen wir unser Zelt auf, da sind wir dann beide ordentlich platt und hätten ja auch immerhin beinahe unseren Höhenrekord geknackt. Auch egal, so fahren wir den Rest am nächsten Tag hoch, nachdem uns freundliche Berberfrauen am Zelt besucht haben. Die Frauen hier sind interessant. Während in den Städten fast nur Männer in den Cafés abhängen und die anzutreffenden Frauen entweder sehr westlich oder sehr verhüllt sind, auch mit Gesichtsschleier, sind in den Dörfern wesentlich mehr Frauen als Männer anzutreffen, deren Kleidung aus mehreren Lagen, teilweise in bunten Farben, besteht, natürlich komplett mit Kopftuch. Oft winken sie uns übermütig zu und lächeln uns offen an, was wir von anderen muslimisch geprägten Ländern nicht gewöhnt sind. Auch hier werden übrigens wie im Afrika südlich der Sahara die kleinen Kinder auf dem Rücken getragen, aber im Vergleich zu dort erscheint uns ihre Anzahl quasi lächerlich niedrig. Im Durchschnitt hat eine marokkanische Frau „nur" 2,4 Kinder.

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Eselisch

Unser Weg führt weiter nach Igherm. Wir haben einen Reiseführer mit Routenbeschreibungen bei uns (Reise-Know-How Marokko), und das ist meistens sehr praktisch, aber in diesem Teil der Route irrt er sich bei beinahe allem, was beschrieben ist. So fahren wir also einfach bergauf und bergab, wie die Straße uns führt, immer wieder erstaunt, und fluchen am Ende noch einmal richtig, weil Igherm im Reiseführer 200 Meter tiefer angegeben war als wir es tatsächlich vorfinden. Uff.

Immerhin sind wir uns nun recht sicher, den restlichen Weg nach Marrakesch noch zeitig hinter uns zu bringen. Und außerdem, bei aller Anstrengung: es ist schön hier. Der Anti-Atlas ist ein wirklich großartiger Flecken Erde, immer gibt es was zu sehen, auf den Hügeln thronen Agadire (Speicherburgen), die Orte bestehen aus roten, großen Häusern und die Menschen sind freundlich, wenn man von dem doofen kleinen Jungen absieht, der eine meiner Hinterradtaschen geöffnet hat (ernstes Wort von Tobi). Solche Gegebenheiten, und besonders Landschaften haben wir lange vermisst, und letztlich ziehen wir die Berge wohl beide dem Meer vor, auch wenn der Wind uns weiter um die Ohren weht.

Zelten ist wieder so einfach. Das geht so: Wir entscheiden, dass wir nicht mehr lange weiterfahren wollen und halten an, sobald in der Nähe ein vielversprechendes Plätzchen (sichtgeschützt, halbwegs flach, schöne Aussicht) auftaucht. Tobi baldowert zu Fuß die Umgebung aus und gibt Meldung, wir entscheiden uns, entfernen uns möglichst unbeobachtet von der Straße und schwuppschwupp steht unser mobiles Haus und die Nudeln köcheln auf dem Kocher.

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Tobi, Blumenwiese, lange nicht mehr gesichtetes Verkehrsschild

Ah, ganz so einfach ist das inzwischen alles nicht mehr. Eine Zeltstange unseres Zeltes ist gebrochen und da die Reparaturhülse nicht aufzutreiben war, haben wir sie notdürftig mit zwei Ersatzspeichen geschient. Die Reißverschlüsse des Zeltes, naja - bei gutem Wetter, Vollmond und wenn der graue Hund dreimal bellt, gehen sie problemlos zu. Wir wollen uns darüber aber auch gar nicht beschweren, denn unsere Bergans-Kontaktfrau Eva Hofmann hat für uns ein Ersatzzelt organisiert, dass Tobis Eltern mitbringen. Und der Kocher... hat wohl eine Art chronische Bronchitis, manchmal läuft er sofort, manchmal nach viel gutem Zureden und mehrmaligem Reinigen - so langsam gibt einiges an unserer Ausrüstung den Geist auf: Haltet durch, Jungs und Mädels, ist ja nicht mehr weit!

Wir fahren weiter, von Igherm recht entspannt, aber eher langweilig bis zum Fuß des Passes Tizi-n-Test, einen der großen Passstraßen über den Hohen Atlas.

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Auffahrt zum Tizi-n-Test, deutsche Wohnmobilgruppe

Auf knapp 40 Kilometern fahren wir 1500 Höhenmeter bergauf. Trotz des großen Höhenunterschieds fahren wir die Strecke vergleichsweise entspannt, weil die Steigung sehr konstant ist und die sehr steilen Abschnitte fehlen. Die Straße ist schmal, zwei Autos kommen nebeneinander nicht vorbei, aber für uns ist immer genug Platz.

Wie dieser Riesenbus die Auffahrt geschafft hat, fragen wir uns immer noch. Wir hatten nämlich das Vergnügen, Bekanntschaft mit sehr abenteuerlichen Deutschen zu schließen. Unter dem Motto „Marokko mal anders" fahren sie mit einer geführten Tour mit fünf Wohnmobilen durch das Land. Und eines davon ist: ein Bus, Größe 50 Personen (aber nur mit zwei Menschen drin, klar), mit ausfahrbaren Seitenteilen. „Ja", sagt uns, nennen wir ihn Dieter, „hier lernt man richtig Land und Leute kennen." Er kratzt sich an seinem sonnengeröteten Bauch unter den „komischen Brustwarzen" (Beobachtung Tobi). „Die sind ja so nett, die Leute, da wird man zum Tee eingeladen ins Haus, da steht ja sonst nur ein Ofen drin. Ich weiß ja nicht, ob Ihr auch so was erlebt?" Ja, ne, so tolle spontane Einladungen (für die der Veranstalter natürlich bezahlt) hatten wir leider noch nicht. Schöne Vorstellung, die fetten Wohnmobile und der Bus vor dem Haus mit „nur Ofen". Da lernt man richtig Land und Leute kennen!

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Passhöhe, Zeltplatz, Ausblick auf die Abfahrt

Beim Aufstieg und später bei der Abfahrt noch mehrmals treffen wir drei äußerst nette radfahrende tschechische Herren mittleren Alters, die gerade auf Marokko-Urlaub sind. Mit zweien haben wir leider keine gemeinsame Sprache, aber einer spricht sehr gut deutsch. Ich finde ihn außerdem sehr sympathisch, weil er mich fortwährend „Mädchen" (mit Rachen-ich) nennt. Ab einem gewissen Alter einfach schmeichelhaft.

Wir fahren also den Pass, immerhin 2100 Meter, und freuen uns auf die Abfahrt: noch 130 km bis Marrakesch, dass über 1600 m tiefer liegt. Natürlich kommt alles anders. Nach einigen Kilometern schnellem Heruntersausen geht es hangauf und hangab ein Tal entlang, und schließlich über einen kleinen Pass nach Asni. „Das hatten wir uns anders vorgestellt!" sagen die Tschechen, die auch plötzlich wieder auftauchen und uns müde anschauen, und wir können nur zustimmen. Alles eine Frage der Einstellung, wer eine Abfahrt erwartet, will einfach nicht mehr treten müssen, und da kann jeder noch so kleine Hügel weh tun.

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Ausblicke auf den hohen Atlas

Aber was soll‘s, noch eine Nacht im Zelt, noch 40 rasante Kilometer, die wirklich bergab führen, und wir sind in Marrakesch angekommen. Juchhu, Urlaub! Das haben wir uns verdient. Spaß gemacht hat es auch, und zwar sehr. Ich werd noch zur Sportlerin, wenn das so weiter geht.

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