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Ouagadougou bis Agadir
28.02. - 18.03.2010

So, hier war eine Weile nichts zu lesen. Hauptsächlich liegt das daran, dass mich in Ouagadougou eine Bronchitis gepackt und recht lange nicht aus ihren Klauen gelassen hat. Bei über 40 Grad im Schatten höchst lächerlich, aber ich habe Husten und wieder Fieber, und weil wir schließlich in Afrika sind, werfe ich mal vorsorglich Malaria-Medikamente ein, man weiß ja nie (Liebe Leber, es tut mir leid. Wird nicht wieder vorkommen).

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Moschee Hassan II. in Casablanca, Zeltplatz-Ausblick, Metterschling

Tobi jedenfalls gebührt alle Ehre, dass er den Flug praktisch ohne meine Mithilfe über die Bühne bekommt. Erschwert wird ihm seine Aufgabe dadurch, dass offensichtlich alle unfreundlichen Burkinabé (so heißen die Bewohner von Burkina Faso) am Flughafen Ouagadougou arbeiten. Furchtbar. Grantige Damen und Herren überall, und das Fahrrad muss JETZT SOFORT hier weggestellt werden, denn dort könnte sich theoretisch ja jemand hinsetzen wollen, auch wenn alle Sitze drum herum frei sind, und natürlich müssen Pässe rhythmisch alle fünf Minuten kontrolliert werden, nach Einlasskontrolle und vor Check-In, natürlich immer SOFORT, und unsere Fahrräder müssen eingepackt sein, obwohl es auf der Air Maroc Seite anders steht, aber „das zählt hier nicht, hier ist es anders, und Sie brauchen gar nicht mit mir diskutieren, ich nehme die Räder sonst nicht mit.“ Wenn natürlich bei jedem zehnten Passagier ein großer Streit am Schalter aufbrandet, warum sollten wir ausgenommen sein mit unseren Extrawünschen? Immerhin sind die Einwrapper die nettesten überhaupt und wrappen unsere Räder so ein, dass die Dame am Schalter zufrieden ist, und unser restliches Gepäck ist genau ein Kilo unter der Höchstmenge, und eine fiebrige Daniela und ein müder Tobi lächeln sich zu: Uff, geschafft. Um uns herum all die Urlauber, alle zusammen wirken sie so lächerlich, jeder mit einer Trommel oder Rastas oder afrikanischer Kleidung bestückt, als Beweis, dass sie in Afrika waren. Es ist mitten in der Nacht und wir dämmern den Flug so weg, während auf den Fernsehbildschirmen computeranimierte Meerschweinchen Autorennen fahren. Und dann sind wir in Casablanca.

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El Jadida

Im Reiseführer steht, dass Casablanca nur eine neue Moschee hat und auf keinen Fall einen Besuch wert ist, eine uninteressante Großstadt.

Für uns ist alles so: europäisch. Im Zug vom Flughafen ziehe grüne Weiden an uns vorbei, die Straßen sind breit und asphaltiert, nicht Staub liegt in der Luft, sondern Regen, und statt 40 sind es 20 Grad. Die Häuser sind groß und manche alt, es gibt Cafés in denen alte Männer sitzen - unsere Augen laufen über. Ein abrupter Wechsel, leider, und mit einem bisschen unzufriedenen Gefühl in der Magengrube, aber auch: erleichternd.

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Nach dem Zelten: Schnecken überall, Küstenlandschaft

Zunächst einmal bin ich weiter krank, gehe zum Arzt, erhalte Medikamente, aber fühle mich auch dann noch nicht 100%ig, als wir endlich fahren, doch das Fieber ist weg. Das Kranksein und Auf-der-Isomatte- und Im-Bett-rumliegen hat bei mir eine leicht melancholische Grundstimmung hinterlassen, die mich prinzipiell noch viel mehr stört, als die Krankheit an sich. Ich schleppe mich leicht weinerlich durch die Tage und habe an nichts so wirklich Spaß.

Die ersten beiden Tage fährt Tobi allein im Wind, am dritten erwischt es uns heftig und wir wechseln uns wieder ab. Unser Weg führt zunächst die Atlantikküste herunter nach Agadir. Außer uns auf den Straßen: Wohnmobile. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so eine große Anzahl von den Dingern gesehen. Sie tragen vornehmlich französische Nummernschilder, sie sind manchmal groß uns manchmal riesig mit Anhänger und ziehen dann noch einen Kleinwagen hinter sich her. Manche tragen Gemälde von Kamelen auf der Rückseite und einmal sehen wir tatsächlich Che Guevara - auf einem Wohnmobil! Verrückt! Obwohl: „Che Guevara ist auch viel gereist!“ wendet Tobi ein. Vielleicht hätte es ihm ja gefallen.

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Ausblick vom Zeltplatz auf Angler

Wie Piloten navigieren die männlichen Fahrer in ihren Cockpits, daneben sitzt die Dame des Hauses, beide blicken durch Brillengläser in die Welt, die das Alter eben mit sich bringt. „Das ist die Generation, die mit 58 in den Vorruhestand geschickt wurde!“ klärt uns ein deutscher Wohnmobilist auf, „die haben eine Abfindung bekommen, und davon haben sie sich dann ein Wohnmobil gekauft!“ Tobi mutmaßt, dass die Marokkaner inzwischen glauben, dass jeder französische Rentner ein Wohnmobil erhält und des Landes verwiesen wird.

Winter für Winter kurven diese Wohnmobile also durch Marokko, wo praktischerweise viele Menschen französisch sprechen. Sie stehen überall; wie uns die Deutschen erzählen, bezahlen die meisten nicht gerne für das Camping, und in Marokko wird es akzeptiert, dass sie überall sind. Wie viel sie tatsächlich vom Land mitbekommen, sei dahingestellt. Ihre Hosen und Oberteile sind oft sehr, ähm, knapp geschnitten, wie es nicht nur für die nicht mehr ganz straffe Haut gewagt erscheint, sondern auch für ein muslimisches Land. Doch so ist es wohl eben, eine Urlaubsdestination besteht für die meisten aus gutem Wetter, Strand, Meer, günstigen Preisen, die das Land bewohnenden Menschen kommen nicht oder nur am Rande vor.

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Am Meer, Tobi nennt das dritte Bild: Traumpaar

Auch wir selbst finden gute Möglichkeiten, wild zu campen, was wir in Subsahara-Afrika ja aus verschiedenen Gründen nur selten gemacht haben, und es gibt uns ein Gefühl von Unabhängigkeit (das vielleicht auch die Wohnmobilisten suchen?). Noch einmal haben wir extrem starken Gegenwind, ich schwächle erneut, aber schlussendlich erreichen wir Essaouira. Essaouira ist ein wunderschöner Ort, wenn auch natürlich sehr touristisch, mit vielen kleinen Gassen, in denen ich mich bis zum Schluss nicht auskenne. Das Essen übrigens, dort wie insgesamt, ist ganz schön gut. Tobi stopft mich aus gesundheitlichen Gründen mehrmals täglich mit den leckeren Orangen voll, Obst und Gemüse sind generell gut und günstig und in kleinen Straßenrestaurants gibt es oft Tajine (Gemüse und/oder Fleisch, im Steintopf gebruzzelt) oder frisches Fleisch. Das sucht man sich beim Metzger direkt aus, geht mit seinem Fleischpaket zum Grill und lässt es sich dort zubereiten. Die Preisstruktur ist angenehm und je nach Ort recht unterschiedlich, wir sind jedenfalls gut im Futter, vor allem Tobi, der seit dem Ende der heißen Temperaturen wieder richtig Appetit hat.

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Essaouira

Die restlichen Kilometer von Essaouira nach Agadir sind wunderschön. Die Strecke führt von der Küste weg und hügelt sich durch Wiesen, auf denen Arganienbäume stehen. Arganien ähneln Oliven, und auch aus ihnen kann mal Öl herstellen, sie werden nur hier in der Region angebaut. Die Menschen sind freundlich, der Wind ist gut, und endlich, endlich ist es wieder soweit: mir macht das Radfahren wieder Spaß. Ich fühle mich gesund, bin gut gelaunt und fit, die Sonne scheint: alles toll. Puh, und ich dachte schon, die letzten Monate bis nach Hause würden eine einzige Qual werden.

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Unterwegs, kleine Bananen (aber gut!)

Zu den Menschen noch ein paar Wörter: Die allermeisten sind wirklich sehr freundlich, aber natürlich ist es auch so, dass der Tourismus seine Spuren hinterlassen hat. Viele Kinder fragen nach Stiften oder Geld, und einmal sind wir auch schon mit Steinen beworfen worden (nicht gut gezielt). Auch erwachsene Männer fragen häufig nach Zigaretten, von Frauen werden wir so gut wie nicht angesprochen, Meistens aber grüßen wir freundlich und werden zurück gegrüßt, oder man stellt uns Fragen und wir versuchen zu antworten (Französisch!), alles sehr angenehm und einfach.

Wir fühlen uns also wohl. Agadir ist nun nicht gerade eine Traumdestination, zumindest nicht in unseren Augen, aber auch nicht so schlimm wie gedacht für einen Organisationstag. Wir möchten noch eine kleine Runde im Antiatlas drehen, bevor Tobis Eltern zu uns stoßen, hui, nur noch eine Woche, wie die Zeit vergeht!
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