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Kampala bis Ho
17. - 27.01.2010

(Hoffentlich) letzte Flugbewegung erfolgreich abgeschlossen!

Auf unserem Weg zum Flughafen Entebbe, gut 40 km von Kampala entfernt, werden wir von einem ugandischen Sportler begleitet. Er ist 23, fährt begeistert Rennrad und würde am liebsten sein Geld damit verdienen. Hört sich unrealistisch an, so sehr dann aber doch nicht, als er berichtet, dass er zu Rennen nach Südafrika reist und an den nächsten Commonwealth Games in Indien teilnimmt. Gleichzeitig ist es in Uganda natürlich ungleich schwerer, gute Trainingsbedingungen, Material und Sponsoren zu finden.

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Sportler unter sich, Fahrradverpackung selbstgebastelt

Irgendwie ist es auch immer das selbe. Obwohl wir wahnsinnig früh zum Flughafen aufbrechen und schon Vorstellungen haben, dass wir uns stundenlang dort langweilen, nehmen das Umpacken des Gepäcks (alles Schwere ins Handgepäck!), das Umziehen (lange Hosen an, Jacken über den Arm!) und das Einpacken der Räder (aus Reissäcken habe ich große Taschen genäht (!!!), in die wiederum die Fahrräder eingenäht werden) extrem viel Zeit in Anspruch. Dazu die Diskussionen mit dem Zoll, der die gerade aufwendig geschlossene Verpackung öffnen will und das Check in… Ach, das übliche eben. Unüblich allerdings, dass man gänzlich darauf verzichtet, unsere Fahrräder zu wiegen - für jedes Kilo hätten wir 8 $ extra bezahlen müssen. Danke, Ethiopian Airways. Auch danke für den kostenfreien Zwischenstopp-Aufenhalt in Addis Abeba mit Übernachtung, Abendessen und Frühstück.

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Am Meer

Dann geht es endlich nach Westafrika. Bevor ich mich schreiberisch dorthin bewege, noch eine kleine Abschiedsanekdote aus dem Flugzeug. Bevor wir in Kampala abheben, gibt es eine Durchsage: „Wir haben eine unidentifizierte Tasche. Es handelt sich um einen großen, weißen Sack. Er enthält Matooke. Bitte melden Sie sich!“ Matooke, das sind die Kochbananen, ohne die ein echter Ugander keinen einzigen Tag durchhält. Offensichtlich auch keinen Aufenthalt in einem anderen Land. Es ist in etwa so, als würde in Frankfurt ein Sack Sauerkraut oder ein großer Kanister Äppelwoi ausgerufen. Wir sitzen nicht nebeneinander, aber in diesem Moment erheben wir uns beide von unseren Sitzen, nur um uns zuzugrinsen.

Ghana ist: heiß. Genauer: schwül. Extrem schwül. In Ostafrika waren wir ja meistens über 1000 Meter hoch, nun sind wir auf Meereshöhe. Als wir in Accra den klimatisierten Flughafen verlassen, kommt es uns vor, als seien wir in einer Sauna gelandet. Sofort setzt sie Schweißproduktion ein. Gleichzeitig ein unangenehmens Gefühl von Kontrollverlust - Schweißinkontinenz, eklig.

In Accra verbringen wir nur so viel Zeit wie nötig, um die Visa für Togo, Benin und Burkina Faso zu organisieren, was nicht allzu lange dauert. Der Fußball in Form des African Cup of Nations begleitet uns weiter an den Nachmittagen. Nachdem wir vormittags mit den gepäcklosen Rädern auf x Kilometern die Stadt durchqueren, tut dieses Nachmittagsprogramm gut. Wir leiden außerdem unter einem ordentlichen Jetlag, es ist drei Stunden früher, als wir es gewohnt sind, entsprechend früh schwitzen wir uns in den Schlaf.

Accra wirkt gleichzeitig ärmer und reicher als Kampala, das kann aber natürlich auch an der Auswahl der Stadtviertel liegen, die wir mit dem Rad entdecken. In Jamestown, direkt am Meer, „duschen“ Kinder auf der Straße, tagsüber schlafen Menschen auf dem Bordstein, nicht wenige sehen richtig fertig aus. Parallel gibt es viele teure, westliche Supermärkte, wo wir fast alles kaufen können, was unser verwöhntes Herz begehrt. (belegte Brötchen! Puddingteilchen!). Hier geben sich die Weißen und die wohlhabenden Ghanaer (wir sehen mehr gut situierte Einheimische nach unserem Gefühl) die Klinke in die Hand. Und das geht so: Der wahnsinnig dicke SUV fährt vor die Eingangstür. Die Lady steigt aus, so wird ihr Weg in unklimatisierten Gefilden minimiert. Der Fahrer unterdessen bewegt das Auto auf den ca. 5 m entfernten Parkplatz und lässt den Motor dort laufen - damit auch die AC weiterläuft, klar. Sonst würde es ja warm im Auto. Irgendwann ist der Einkauf erledigt und der kleine Panzer fährt nach Hause. Ach ja, wahrscheinlich bin ich nur neidisch auf die schöne, klimatisierte Parallelwelt.

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Strandleben

Wir verlassen also Accra. Haben uns entschieden, uns an der Küste entlang nach Osten zu bewegen und dann erst den Weg nach Norden zu wählen - die Küste soll recht schön sein. Ist sie dann auch, für ca. 20 km, nur fahren wir leider ca. 200 an ihr entlang. Manchmal wünsche ich mir, dass Reiseführer einfach mal schreiben können: ist nicht so toll. Muss man nicht hin. Und nicht nur „wenig besucht“ oder „recht abgelegen“. Aber, die 20 km an der Keta-Lagune waren wirklich nett, und außerdem haben wir den Wind immer im Rücken oder von der Seite, nie von vorne.

Wir begegnen einem ausgewanderten Briten, der sich im afrikanischen „Way of Life“ übt. Immer dieser Stress in Europa, sagt er, darauf hatte ich keine Lust mehr. Ok, gerade funktioniert hier das Internet nicht, seit zwei Wochen: „But then you can REALLY chill out!“ Irgendwie verstehe ich schon, was er meint. Er bringt uns auch eine nette Abkürzung bei: T.I.A. - This Is Africa (er sagt, das kommt aus dem Film „Blood Diamonds“, sollten wir uns also mal anschauen). T.I.A., das ist: Internet, das zwei Wochen nicht funktioniert. Speisekarten, die riesig sind, aber es gibt nur einen marginalen Anteil („Sandwich, klar, haben wir. Ah, Moment, ich muss erst gucken, ob ich Brot hab.“), ein kleines Gericht, dass Stunden in der Zubereitung dauert… T.I.A., das hat viel mit Warten und Geduld zu tun. Am Anfang haben wir uns oft aufgeregt, letztlich hat uns das viel versaut. Nur weil wir jetzt da sind mit unseren Bedürfnissen und Ansprüchen ändert Afrika nicht seinen Rhythmus. Also versuchen wir stoisch zu sein, auch wenn eben manchmal schon eine Bestellung eine Stunde dauern kann, bis die Kellnerin selbst herausgefunden hat, was es gibt. Irgendwas gibt es letztlich immer, und das ist ja auch schon mal was.

Es passiert wenig spektakuläres, man schwitzt so vor sich hin. Eines Sonntagmorgens haben wir beim Frühstücken im Zimmer den Fernseher an (Die Satellitenschüsseln sind riesig, und es gibt dann immer genau zwei Sender - T.I.A.). Auf beiden Sendern: Christliche Beglückung. Oh Mann. Kann bitte mal jemand diese Evangelikalen stoppen, das ist ja furchtbar! Hier gibt es ganze Kirchen, die sich darauf spezialisieren, Leuten zu erzählen, wie sie durch richtiges Beten richtig reich werden. In Uganda fanden große Diskussionen über ein Anti-Homosexuellen-Gesetz statt, dass die Todesstrafe (in bestimmten Fällen) vorsah. Dazu habe ich einen guten Artikel in einer Wochenzeitung gelesen, der beschreibt, wie nun westliche Regierungen Sturm laufen, während auch die, die die Gesetzgebung entscheidend beeinflusst haben, aus unserer Hemisphäre kamen, nämlich die Evangelikalen, die den Ugandern erzählen, dass Homosexuelle in die Schulen ihrer Kinder gehen und diese verführen. Christlicher Fundamentalismus, ein unterschätztes Problem.

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Kreative Firmennamen

Eher erheiternd und nett finden wir dagegen die Angewohnheit, Läden mit gläubigen Namen zu schmücken: „Jesus Loves Beauty Salon“ oder „God‘s Plan Video Production“, so absurd die Kombinationen auch für uns sein mögen. Außerdem erinnert es ein bisschen an Pakistan, auch wenn die Teestube da eben „Bismillah“ hieß.

In einem unserer Übernachtungsorte gelangen wir unversehens in eine Beerdigung. Erst fahren rasend schnell einige Mopeds die Straße herauf und herunter, sie sind mit roten Bändern versehen. Schließlich folgt ein Autokorso, davon ein Krankenwagen mit Blaulicht. In ihm befindet sich der Verstorbene. Menschen säumen die Straßen, die meisten gucken sich das ganze einfach interessiert, aber nicht wirklich beteiligt an, einige in rot gekleidete Frauen schluchzen und versuchen einen Blick in das Innere des Krankenwagens zu erhaschen. Ansonsten wirkt das ganze eher wie eine Party, auch eine Blaskapelle ist auf einem Pick-Up dabei. Dem Krankenwagen folgen verschiedene weitere Autos und Kleinbusse voller Menschen - es ist keine leicht Übung für uns, die Straße zu überqueren. Sehr fremd, sehr interessant. Die Hauptbeschäftigung von Schreinern hier scheint übrigens die Sargproduktion zu sein, diese sind überall am Straßenrand ausgestellt. Steffen aus Kampala, dessen Eltern in Ghana leben, hat uns erzählt, dass es eine Prestigefrage sei, erst sehr spät nach seinem Tod beerdigt zu werden - das Kühlhaus kann sich nicht jede Familie leisten. So wurden seine Eltern zu einer Beerdigung eingeladen, bei der der Tod schon drei (3!) Jahre zurück lag (und sie den Verstorbenen gar nicht mehr kennen gelernt hatten). Eine gruselige Vorstellung.

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Tobi eingeräuchert, schöne Echse, Fußbalimpression

Steffen ist es auch, der uns in die ghanaische Namengebung einweiht: jedes Kind erhält seinen Namen durch den Wochentag, an dem es geboren wurde. Alle Jungen also, die am Freitag zur Welt kommen, heißen: Kofi. Alle Mädchen, sie Samstags das Licht der Welt erblicken: Ama. So heißt also jedes 14. Kind gleich und die jungen Eltern haben eine Frage weniger, über die sie sich den Kopf zerbrechen müssen. Und wir wissen nun, an welchem Wochentag Kofi Annan geboren wurde.

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Jubel nach Sieg Ghanas gegen Nigeria im Halbfinale

Wieder was gelernt! So fahren wir also weiter. Unser Pläne besagen, von Ghana über Togo nach Benin bis zur burkinischen Hauptstadt Ouagadougou zu fahren und von dort aus wird es bis nach Marokko wahrscheinlich im wesentlichen auf andere Verkehrsmittel herauslaufen. Mal sehen, was der Kalender sagt, denn Ende März treffen wir Tobis Eltern in Marokko und im Juni wollen wir zurück in Deutschland sein. So werden wir einen großen Teil von Westafrika nicht vom Rad aus erleben - ein gewisser Wehmut ist schon dabei, aber wir müssen/wollen eben Prioritäten setzen - und auf diese freuen wir uns auch schon.
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