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Fada N‘Gourma bis Ouagadougou
16. - 27.02.2010

Nach unserem Ruhetag werde ich leider so krank wie lange nicht mehr, nach einer unguten Nacht bleiben wir gezwungenermaßen, ich verlasse das Bett nur noch (das aber regelmäßig), um der Toilette einen Besuch abzustatten, und das Fieber steigt bis 39 Grad. Wir haben tolle Malaria-Selbsttests dabei, die ein klares „Negativ“ anzeigen, und nach einem weiteren fieberfreien Erholungstag, an dem Tobi sich auch schon wieder mit mir unterhalten kann, bin ich weitestgehend wieder hergestellt.

In drei Etappen haben wir uns die restliche Strecke nach Ouagadougou eingeteilt, und am ersten Tag haben wir extrem guten Wind, dass wir bei einem besseren Zustand meinerseits sicher noch ein paar km weiter gefahren wären. Wir trinken, trinken, trinken ohne Unterlass und essen wenig bei noch weniger Appetit. Eine konstante Übelkeit macht sich in unseren Körpern breit, wenn wir dann abends irgendwo ankommen und unsere müden Körper auf eine gammelige Matratze unter einen viel zu schwachen Ventilator legen, müssen wir erst immer eine Weile warten, bis sie sich verzieht.

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Auf dem Weg, Aasgeier

Ich beschließe, dass ich diese harten Jungs und Mädels, die mit ihrem Fahrrad Wüsten durchqueren und damit wochenlang bei kaum oder nicht vorhandener Infrastruktur und Temperaturen in den bei uns derzeit herrschenden Höhen (39 - 42 Grad im Schatten, und Schatten gibt es auf der Straße nicht), wenn nicht noch höher, unterwegs sind, zwar bewundere, aber eben nicht so bin. Ihr habt meine vollste Hochachtung, Ihr seid wahrhaft bei fair meins unterwegs, Ihr habt Euren Willen wirklich unter Kontrolle und mehr Respekt verdient als jeder Lance oder Ulle, meiner Meinung nach. Und ich, ich kann es nicht. Ja, eine gewisse Qual gehört immer dazu, bei vielen Etappen auf dem Rad, irgendein Schmerz ist fast immer da, und gerne nehme ich diesen in Kauf, denn ich weiß, dass er sich lohnt, nach meinen Begriffen, dass es eben etwas anderes ist, einen Pass langsam mit dem Fahrrad zu schaffen als im Auto hochzufahren, um einmal kurz auszusteigen und ein Foto zu machen. Nur für diese Kargheit (und wir befinden uns noch nicht einmal in der Wüste, nur am Rande der Sahelzone!), diese Eintönigkeit, kombiniert mit dieser schmerzhaften Hitze, die immer um uns herum ist, diese langen, ebenen Strecken, puh. Die schaffen mich.

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Ouaga ist erreicht! Overlander-Camp, Kölner Feuerwehrmobil

Unsere letzte Etappe nach Ouagadougou ist lang, und obwohl wir früh aufstehen und gut 50 km vor der größten Hitze schaffen, so bleiben doch noch über 60 in den gewohnt hohen Temperaturen. Wir fahren von Pause zu Pause, und die Landschaft ist, wie schon in den letzten Tagen, wenig ereignisreich, flach, karg, mit ausgetrockneten Flussbetten, Trockenzeit eben. Wir haben festgestellt, dass wir ausgerechnet zum Beginn der heißesten Zeit des Jahres hier sind, welcher Idiot hat da eigentlich die Planung gemacht? (Ja: Wir.)

In Ouagadougou erwartet uns ein echter Overlander-Treffpunkt, ein dem Hotel OK Inn angegliederter Stellplatz, wo wir umsonst unser Zelt aufbauen, Pool, Internet und sanitäre Anlage nutzen können, wenn wir nur regelmäßig im Restaurant essen. Ein fairer Deal! Wir genießen den Luxus und die netten Nachbarn. Und wir überlegen.

Auf dem Weg von Accra aus haben wir eigentlich unsere Meinung dahin gehend geändert, dass wir gerne noch bis Bamako in Mali radeln und von dort aus fliegen wollen. Das würde uns die Möglichkeit geben, noch ein bisschen mehr Rad in Westafrika zu fahren und die Gurkerei mit öffentlichem Verkehr bis Marokko ersparen - ein Fahrrad im Gepäck erhöht nicht gerade die Freude bei häufigen Umstiegen. Außerdem ist es in Mauretanien vor recht kurzer Zeit zu einigen Entführungen gekommen, und auch wenn das Risiko sicherlich letztlich klein ist und wir natürlich viele getroffen haben, die die Strecke fahren, ist uns nicht ganz wohl dabei.

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Materialermüdung allerorten

Inzwischen aber sind wir so fertig, dass wir uns die Möglichkeit, erst in Bamako in den Flieger zu steigen, nicht mehr wirklich vorstellen können. Es ist so, dass uns das Radfahren (mit dem wir täglich eine Menge Zeit verbringen) überhaupt keinen Spaß mehr macht. Die Landschaft ist flach (und wird es auch bleiben). Die wichtigen kulturellen Höhepunkte Malis würden wir nur auf der längeren Strecke nach Bamako berühren (näher an der Sahara, also vermutlich noch heißer, karge, lange Etappen), auf dem kürzeren Weg über Bobo-Dialassou nur ein paar kleinere. Das alles überschattende Argument ist die Hitze. Sie nimmt uns jede Energie, wenn wir nicht müssen, bewegen wir uns zwischen 10 und 17 Uhr kein Stück, und bewegen wir uns viel, fühlt es sich an, als würden unsere Körper sich dagegen wehren. Ja: Es geht. Radfahren - Trinken - Radfahren - Trinken - Radfahren - Trinken - Ankommen - Erholen - Ins Bett fallen. Und wenig mehr, beim derzeitigen Energielevel auch wenige Begegnungen. Die Menschen hier sind sehr nett, übrigens, aber ein bisschen wären sie momentan das einzige Argument.

Den öffentlichen Verkehr können wir uns auch nicht mehr so recht vorstellen, zuviel Reisezeit würde etwas verschlingen, auf das wir in der Form keine Lust haben. Also: Fliegen wir. Von hier aus. Nach Marokko. Tobi hatte diese Option schon länger ins Auge gefasst, da er sich schon ein bisschen länger gequält hat als ich, für mich war vor allem die Woche vor unserer Ankunft in Ouagadougou ausschlaggebend: Ich mag nicht mehr. Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen, und jetzt, da der Flug gebucht ist, überlegen wir noch hin und her, ob das wohl so richtig ist und dass es ja auch schade ist und wohl auch einfach Fehlplanung war. Aber: Sei‘s drum, wir wollen den Rest unserer Reise noch genießen und nicht nur Radfahren um Rad zu fahren. Also werden wir uns viel Zeit für Marokko lassen, an der Küste entlang fahren und den Antiatlas unter die Räder nehmen, und das alles hört sich so paradiesisch an für uns im Moment, dass die anderen Bedenken fast egal sein könnten.

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Badenixe Tobi

Zu Ouagadougou (sprich: Wagadougou), übrigens noch ein kleiner Input, vielleicht erinnert Ihr Euch noch, wie sagte Peer Steinbrück bezogen auf eine Konferenz zu Steuerbetrug: "Sie hätten ja kommen können. Und selbstverständlich werde ich sie zur Nachfolgekonferenz im Juni in Berlin auch einladen: Luxemburg, Liechtenstein, die Schweiz, Österreich und Ouagadougou". Rein lautmalerisch hat er das gemeint, erklärt er nachher, irgendwie ist ja Ouagadougou auch kein Land, und als Steueroase mitnichten bekannt. Er habe in betracht gezogen, sagte er, Taka-Tuka-Land zu benutzen, doch er habe sich vor den Astrid-Lindgren-Lesern gefürchtet. Oh Mann, was soll ich dazu noch sagen, wenn die Hauptstadt eines Landes eher rein lautmalerischen Missbrauchs „würdiger“ erachtet wird als ein Phantasiebegriff? Viel mehr braucht man zur politisch-ökonomischen Stellung Subsahara-Afrikas in der Welt wohl auch nicht mehr erläutern.

Ach ja: Tobi hat noch etwas dazu zu sagen, warum Afrika so klein aussieht, aber in echt so groß ist:

Bei der Planung der Afrika-Route haben wir leider die Tücken der sogenannten Mercator-Projektion unterschätzt bzw. einfach nicht beachtet. Die Mercator-Projektion wurde im 16. Jahrhundert von dem Kartografen Gerhard Mercator entwickelt, um eine winkeltreue Abbildung der Erde zu erreichen. Dies war damals besonders für die Navigation in der Schifffahrt wichtig. Vereinfacht dargestellt wird dabei um die Erde ein gedachter Zylinder gelegt, der diese am Äquator berührt, alle Punkte werden vom Globus auf den Zylinder projiziert und dieser dann abgerollt. So erhält man eine flache Karte der Erde. Mit dieser Methode bleibt lediglich der Äquator streckentreu, alle anderen Breitenkreise habe die gleiche Länge des Äquators. Da die Erde allerdings eine Kugel ist, und der Äquator um ein vielfaches länger ist als z.B. der nördliche Polarkreis, kommt es zu einer starken Verzerrung, je weiter man auf der Karte nach Norden schaut. Die Insel Grönland wirkt so mit ihren 2,2 Mio. km² fast genauso groß wie der gesamte Kontinent Afrika (30,3 Mio. km²). (vgl. www.wikipedia.org)

Wenn man sich unsere Übersichtskarte anschaut, hat man den Eindruck, dass wir in Afrika fast nichts geradelt sind. Seit Dar Es Salaam haben wir knapp 4.000 km mit dem Rad zurückgelegt. Das ist in etwa die selbe Strecke wie vom Westerwald bis nach Samsun am Schwarzen Meer. Wenn man beide Strecken auf der Karte vergleicht, wird der Unterschied deutlich.

Und mit diesem diplomgeographischen Input verabschieden wir uns nach Marokko.
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