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Kara bis Fada N‘Gourma
06. - 15.02.2010

Weiter geht‘s! Kara verlassen wir ungeschlagen und erholt nach einem Ruhetag. Auf dem Weg nach Kandé rollt tatsächlich der Präsidententross an uns vorbei, während wir mit dessen Bürgern an einer Polizeisperre halten. Auch hier fällt auf: kaum jemand redet, niemand lacht, außer den Polizisten. Im März sollen nun übrigens die Wahlen stattfinden, tatsächlich.

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An- und Aussichten

In Kandé übernachten wir in einer einfachen, äußerst freundlichen Unterkunft. Da taucht sogar mein Fahrradhandschuh wieder auf. Ich hatte ihn nämlich offensichtlich beim Abräumen der Räder aus der Hosentasche verloren, er wurde von der Chefin gefunden (die konnte damit aber nix anfangen), an den Kellner weitergereicht, der am nächsten Morgen telefonisch informiert, er habe ihn an genau diese Stelle gelegt (wo er aber nicht mehr ist). Die Chefin des Ladens flitzt sogleich zur Tochter in die Schule, und die wollte wohl ihren Freundinnen mal dieses seltsame Objekt, reichlich mit meinem Schweiß versetzt, zeigen.

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Panne

Hauptsächlich trage ich sie übrigens inzwischen, weil meine Lenkergriffe so langsam vor der Hitze kapitulieren und ihre Konsistenzform in „breiig" verwandeln. Das ist nicht so schön auf der Haut, außerdem kommt der Lenker selbst darunter zum Vorschein, so durch sind sie. Einer von vielen Artikeln, der langsam seinen Geist aufgibt.

Von hier aus fahren wir über eine kleine Piste durch die Tamberma und Somba Region nach Benin. Hier hat sich eine interessante Architektur entwickelt, in der jedes einzelne Haus wie eine winzige Burg aussieht, in der die Menschen auch leben. Wenn Sklavenhändler kamen, waren ihre Häuser so ausgestattet, dass sie nur die Tore schließen mussten und einige Tage recht geschützt ausharren konnten. Auch heute noch wird - neben „modernen", viereckigen Häusern - so gebaut, und es ist ein bisschen so, als würde man durch eine Schlumpfhausen-Mittelerde-Mischwelt fahren.

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Piste

Der Zutritt zum Gebiet kostet etwa zwei Euro pro Person. Leider will die Person am Eingangstor auch noch acht Euro für einen Führer, der auch schon mit einem Moped auf uns wartet, und behauptet steif und fest, es wäre verboten, alleine hindurch zu fahren. Gestern wären doch auch schon unsere Freunde hier her gefahren, denen hätte er das selbe gesagt. „Freunde, ja, die waren ja auch mit dem Fahrrad." „Hm, wir kennen die nicht." „Haha, Ihr seid alle Touristen, seid mit dem Fahrrad da und die auch und Ihr stellt genau die gleichen Fragen. Wollt Ihr etwa behaupten, Ihr kennt die nicht?" Der Typ hat einen dreisten und unangenehmen Ton an sich. Wir hatten uns durchaus überlegt, in einem Dorf einen Führer zu suchen um ein oder zwei der Häuser zu besuchen, aber wir würden uns die Person selbst auswählen. Und wir glauben nicht, dass man nicht ohne Guide reisen darf - was der Wächter implizit bestätigt, als er meint, wir könnten ja nur für den Guide bezahlen, der dann aber nicht mit uns käme. Wir finden es gut, wenn die Bevölkerung am Tourismus profitiert, ja, und sind auch gerne bereit beizutragen. Generell aber sind wir lieber selbständig unterwegs als mit Begleitung und treffen unsere Entscheidungen selbst, als sie uns aufzwingen zu lassen. Und dann begegnet man ab und zu dieser Art von touristischen Regionen, wo ein gewisses Potential entdeckt wurde und das offensichtliche Ziel einfach nur noch ist, den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen, möglichst ohne adäquate Gegenleistung. Irgendwie mögen wir das nicht, aber vielleicht, überlegen wir auch, gehören wir zu diesen oft verhassten Touristen, die kommen und alles haben wollen, aber kaum Geld da lassen? Ich bin mir schlicht nicht ganz sicher, was hier „richtiges" und „falsches" Verhalten ist.

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Hobbingen? Schlumpfhausen?

Letztlich fahren wir einfach, er droht mit der Polizei, wir sagen, ja gerne, und hätten wir nicht schon den Togo-Ausreisestempel im Pass, wären wir wahrscheinlich schon umgedreht. Wir verlassen Togo ohne einen Guide genommen zu haben und schneller als gedacht, die Strategie, Geld mit uns zu verdienen, hat zum Gegenteil geführt.

Die Häuser an sich sind schön anzuschauen, und die Gegend auch nett, wobei vor allem Tobi etwas enttäuscht ist. Landschaftlich eine der schönsten Strecken Westafrikas sollte es sein, das stand im Reiseführer, und ja, es war besonders und auch ein bisschen hügelig, aber nicht so spektakulär wie die Beschreibung vermuten lässt.

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Piste

Wir ruhen uns nach zwei staubigen Pistentagen in Natitingou im Benin aus - eine weitere mittelgroße Stadt. Während unserer Reise fällt mir an einigen Punkten immer mehr auf, wie sehr ich europäisch geprägt bin, etwa bei Städten. Kompakt müssen sie sein, mit mindestens zwei-/dreistöckigen Gebäuden, gerne das ein oder andere alte dabei, und das meiste sollte im Zentrum fußläufig zu erledigen sein. Die afrikanischen Städte, die wir gesehen haben, waren immer extrem weitläufig, mit oft breiten, staubigen Straßen, einstöckigen Gebäuden undifferenzierten Stils. Für meine Augen: Wenig schön. Nicht umsonst verbindet man wohl das Bild von Afrika mit entweder Wildnis oder Dörfern, vielleicht liegt die fehlende „Attraktivität" der Städte daran, dass Armut hier umso sichtbarer wird. Armut ist nicht schön, sie ist schlecht angezogen, manchmal blickt sie uns aus glasigen Augen an und lallt (genauso wie sie eben am Montag morgen mit der Pulle unrasiert vorm Aldi sitzt, in Deutschland). Sie ist an vielen Orten, auch wenn das Bild von Afrika, das sofort mit hungernden Kindern assoziiert wird, so an sich nicht stimmt, natürlich geht es vielen Menschen nach ihren eigenen Maßstäben gut, sie sind zufrieden mit ihrem Leben, schwingen schon am Morgen die Hüften zur Musik und arbeiten zwar den ganzen Tag, aber so, dass immer Zeit für ein Schwätzchen bleibt und sie nie allein sind.

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Noch mehr Piste, im Innern eines Tata

Das alles sind natürlich nur die Einschätzungen, die uns nach einer relativ kurzen Reisezeit bleiben. Armut jedenfalls, die nicht nur kurz in den heute-Nachrichten präsentiert wird, sondern wie bei uns täglich im Umfeld stattfindet, berührt nicht nur, sie strengt auch an. Sie macht ein schlechtes Gewissen, weil wir „nur" zum Reisen da sind (wenn man mal vom Projekt in Tansania absieht, aber das kann ich ja nicht jedem Bettler erklären), und sie macht den Aufenthalt für uns schwieriger, da die Infrastruktur schlechter ist und es in Geschäften nicht viel gibt. Und, so seltsam es auch klingen mag, sie scheint die Preise zu erhöhen, vieles von der Unterkunft übers Essen bis zu Getränken wird Schritt für Schritt teurer, je weiter wir uns nach Norden bewegen. Aber, was soll‘s in dieser Beziehung, wir müssen uns ja ohnehin wieder langsam an Europa gewöhnen.

In Benin entscheiden wir uns kurz entschlossen, doch eine 33 km lange Sackgassenpiste in Kauf zu nehmen, um uns einen Wasserfall anzuschauen, und, vielleicht noch viel wichtiger, in seinem Bassin zu baden. Weder Tobi noch ich sind ausgeprägte Wasserratten, aber ab bestimmten Temperaturen hilft einfach nur noch eines: Schwimmen gehen, und es ist auch wirklich eine nette Umgebung, wenn auch ein bisschen zu sehr touristisch aufgebrezelt. Mit der Hin- und Rückfahrt in all diesem Staub und der Hitze haben wir uns die Erfrischung verdient, finden wir.>

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Tata von außen, Pistentobi und Pistenclown (oder -mexikaner?)

Nun wartet also Burkina Faso auf uns, sechstärmstes Land der Erde laut UNDP-Index (darunter steht nur noch Nachbar Niger). Mal wieder extrem unkomplizierte Grenzformalitäten, eine asphaltiert, aber wenig befahrene Straße liegt in der Hitze vor uns, und mal wieder ein langer Tag. Der burkinische Grenzbeamte bringt uns mit seinem Moped direkt zur nächsten Bar, soviel scheint hier nicht los zu sein. Zwischendurch werden wir so von „cadeau!"-Rufen bestürmt, dass wir uns vorkommen wie im Karneval („Strüßjer!"), der an anderen Ecken der Welt ja auch tatsächlich gerade statt findet, unglaublicherweise im Schnee.

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Erfrischend: Wasserfall

Noch eine weitere äußerst lange, äußerst heiße, äußerst anstrengende Etappe (nur eine Möglichkeit, etwas kaltes zu trinken, nach 63 km!) dauert es, bis wir auf der Hauptroute nach Ouagadougou, der Hauptstadt des Landes, sind. Wir quälen uns ziemlich, da sagt Tobi, als wäre das nix besonderes: „Da stehen zwei Elefanten." Und wirklich, da ist ein Wasserloch, und wie auch wir, so halten sich die dicken Grauen auch am liebsten im Wasser auf bei diesen Temperaturen. Wir beobachten sie, sie beobachten uns und wir sind schon etwas besser gelaunt und fahren weiter.

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Elefanten gibt es noch und Esel auch wieder

Als wir beide gerade recht erfrischt und ungereizt sind, tauschen wir uns über unsere Tagträume auf dem Fahrrad aus. Tobi sagt, er habe daran gedacht, wie wir im nächsten Hotel ankommen (mit Pool), und während ich nachfrage, wird er ohnmächtig und fällt ins Wasser. Ich machte mir derweil Gedanken über die Entwicklung einer Klimaanlage für Radfahrer, vielleicht in Form eines klimatisierten Anzugs? Dann sammeln und singen wir alle Lieder, in denen Wasser in irgendeiner Form vorkommt („Weine nicht, wenn der Regen fällt", „I‘ll do my crying in the rain" etc pp), und irgendwann sind wir tatsächlich in Fada N‘Gourma angekommen, wo wir einen angenehmen Ruhetag verbringen.

Wir überlegen uns einen tollen Wettbewerb, den wir bald an dieser Stelle ausrufen werden und dem dieser Artikel seine außergewöhnliche Überschrift zu verdanken hat (Und, wenn man so will, im weiteren Sinne auch meinem ehemaligen Kollegen Thomas). 
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